Alles was Sie über Konzentrationsstörungen wissen sollten

Ein Mann, der mit Konzentrationsstörungen zu kämpfen hat

Jeder Mensch kennt diese Tage, an denen einem gehäuft Namen oder Termine entfallen oder man sich nicht leistungsfähig und produktiv fühlt. Konzentrationsstörungen sind lästige Begleiterscheinungen bei zu wenig Schlaf oder zu viel Stress und können den Alltag erschweren. Bei einigen Menschen kann eine Konzentrationsschwäche allerdings zu Dauerstress führen. Falls Probleme mit der Konzentration gehäuft und regelmässig auftreten, sollte man diese nicht ignorieren, sondern nach den Ursachen forschen.

Während einige Menschen an ADS oder ADHS leiden und darum seit ihrer Kindheit typische Konzentrationsschwierigkeiten aufweisen, zeigen sich bei anderen Menschen Konzentrationsschwächen eher schleichend und sind für den Betroffenen oft nicht auf den ersten Blick so offensichtlich wie für seine Mitmenschen.

Definition: Was genau ist eine Konzentrationsstörung?

Die Arbeit fällt schwer, die Phasen der Konzentration sind kurz, man neigt stärker zu Vergesslichkeit, lässt sich schnell von anderen Reizen ablenken und fühlt sich müde, schlapp oder sogar depressiv. Die typischen Anzeichen von Konzentrationsschwäche sind jedem von uns bekannt. Niemand kann sie besonders gut gebrauchen, aber sie ab und an zu ertragen, fällt uns in der Regel nicht schwer.

Anders verhält es sich, wenn Konzentrationsprobleme zu Konzentrationsstörungen werden und der Betroffene kaum einen Tag ohne sie leben und arbeiten darf.

Konzentration ist nicht angeboren

Unter dem Begriff Konzentration verstehen wir die geistige Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit auf etwas (eine Aufgabe oder einen Reiz) oder jemanden zu bündeln. Solange wir konzentriert sind, nehmen wir andere Dinge allenfalls im Hintergrund wahr. Konzentration ist also eine Leistungsfähigkeit und wider dem Verständnis vieler Menschen, wird uns die Fähigkeit sich zu konzentrieren, nicht mit in die Wiege gelegt. Wir müssen sie wie beispielsweise Fahrrad fahren oder schwimmen, zunächst erlernen und üben, um besser zu werden. Das geschieht in einem Reifungsprozess, den der Mensch in Bezug auf Konzentration vor allem im Kindergarten oder in der Schule durchläuft.

Kinder, die sich nicht konzentrieren, leiden nicht immer an einer Konzentrationsstörung

Die Intensität unserer Konzentrationsphasen wird durch ständige Übung allmählich gesteigert. Im zunehmenden Alter gelingt es den Menschen in der Regel besser, sich zu konzentrieren und unwichtige Dinge von wichtigen zu unterscheiden. Kindern fällt es grundsätzlich schwerer, sich zu konzentrieren oder den Fokus lange Zeit auf ein und dieselbe Aufgabe zu legen und äußere Reize auszublenden. Viele Menschen begehen den Fehler, vor allem bei Kindern besonders schnell von Konzentrationsstörungen zu sprechen.


Da besonders Schulanfänger ein noch unterentwickeltes Gedächtnis haben, können sie sich ohnehin nur zehn bis fünfzehn Minuten auf ein und dasselbe Thema konzentrieren, danach ist ein Stoff- oder Methodenwechsel in der Schule sinnvoll, meinen Wissenschaftler.


Konzentration wird bei jedem Menschen automatisch schwächer

Konzentration bedeutet insbesondere für Kinder, aber auch bei jedem Erwachsenen geistige Anstrengung, die mit der Zeit abnimmt. Das ist normal, völlig natürlich und nicht zu verwechseln mit einer krankhaften Störung. Konzentrationsprobleme können in unterschiedlich starker Form auftreten und aus ganz verschiedenen Gründen entstehen. Ab wann es sich medizinisch oder psychologisch gesehen um eine Konzentrationsstörung handelt, ist schwer zu beurteilen und daher nicht klar definiert. Fest steht, typische Signale für Konzentrationsstörungen erhalten wir erst, wenn eine Sache trotz ständiger Wiederholungen nicht so gelingt, wie es sollte bzw. wie es bisher üblich war und auch nicht schwerfiel. Das hat zur Folge, dass Betroffene in der Regel nicht umgehend Hilfe in Anspruch nehmen können. Einige Menschen mit Konzentrationsproblemen neigen ausserdem dazu, uneinsichtig zu sein und ihr Problem konzentrationsschwach zu sein, abzustreiten.


Menschen, die an Konzentrationsstörungen leiden, sind dauerhaft nicht dazu fähig, sich von Reizen abzuschirmen, um sich auf eine Sache fokussieren zu können. Das bedeutet, die Fähigkeit sich zu konzentrieren, ist vorübergehend schwächer als es bei Menschen ohne Konzentrationsproblemen der Fall ist oder ist vorübergehend beeinträchtigt.


Konzentrationsstörung: Studie zeigt, vor allem ein Problem im Büro

Etwa elf Prozent der Schweizer Erwerbstätigen, die hauptsächlich im Büro arbeiten, leiden unter Konzentrationsproblemen. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie mit 1'230 Probanden der Hochschule Luzern. Das Ziel der SBiB-Studie (Schweizerische Befragung in Büros) bestand darin, eine aussagekräftige Datenerhebung über die Bewertung von Arbeitsbedingungen in Büros zu erhalten. Insgesamt 540 Arbeitsstätte aus dem Betriebs- und Unternehmensregister des Bundesamtes für Statistik wurden in die Untersuchungen dieser Studie mit einbezogen. Anonym wurden Mitarbeiter dabei anhand eines Fragebogens oder durch eine Online-Personenbefragung analysiert.

Eine Herangehensweise bei den Nachforschungen war es, vor allem die Arbeitsumgebung zu beleuchten (zum Beispiel Belüftung, Licht, Lärm usw.) und auf mögliche Ursachen für schlechte Arbeitsbedingungen durch diese Faktoren schliessen zu können. Aber auch psychische Faktoren (wie Stress, Erholung, Zufriedenheit, Absenzen usw.) wurden überprüft, um unter anderem den Ursachen für Konzentrationsprobleme auf den Grund zu gehen.

Neben Müdigkeit, Schlafproblemen, brennende, gereizte Augen oder Kopfschmerzen sind Konzentrationsbeschwerden laut dieser Studie das mit am häufigste genannte Problem bei Menschen, die zu ihrem Arbeitsplatz das Büro zählen. Da sich heutzutage etwa 70 Prozent der Schweizer Erwerbstätigen im Büro aufhalten, deutet die Studie darauf hin, dass Konzentrationsbeschwerden sehr viele Menschen betreffen könnte. Etwa 40 Prozent der Befragten gaben der Studie zufolge an, am Ende eines Arbeitstages, bedingt durch die Arbeit, erschöpft zu sein und durch die arbeitsbedingte Müdigkeit, ihre Arbeit nicht mehr optimal ausführen zu können.

Nicht klar wird bei diesem Ergebnis der Studie, inwiefern sich die Konzentrationsbeschwerden bei Büro-Angestellten krankhaft äussern. Sind sie eher lästige Begleiterscheinungen an besonders stressigen Tagen oder sind sie für den Betroffenen kaum zu ertragen?


Etwa 11 Prozent der Schweizer Büro-Angestellten gaben in einem Fragebogen an, öfter an Konzentrationsproblemen zu leiden. Die Studie der Universität Luzern belegte ebenso, dass 40 Prozent der Befragten, unter anderem deshalb ihre Aufgaben nicht mehr leistungsstark verrichten können.


Ursachen: Was kann Konzentrationsstörungen auslösen?

Nicht immer ist klar, ob eine Konzentrationsschwäche nur ein vorübergehendes Übel ist oder den Betroffenen dauerhaft belastet. Denn nicht immer ist offensichtlich, ob der Mensch an einer Konzentrationsschwäche, an vorrübergehender Unkonzentriertheit oder an einer Willensschwäche leidet. Das kann mitunter vor allem für Kinder, die an einer Konzentrationsstörung leiden, schwere Folgen mit sich bringen. Vor allem dann, wenn man diesen voreilig unterstellt: „Du willst ja gar nicht.“

Konzentrationsstörungen können physische oder psychische Gründe haben

Bevor dem Betroffenen gegen die Konzentrationsprobleme effektiv geholfen werden kann, muss die Ursache dafür gefunden werden. Beobachtet man seinen Körper aufmerksam und hört auf eindeutige Alarmsignale, wird mit der Zeit gut ersichtlich, ob die Konzentrationsstörungen von Dauer oder nur vorübergehend sind. Die möglichen Ursachen, welche Konzentrationsstörungen auslösen, können sowohl psychische als auch physische Gründe haben. Das Auftreten von Konzentrationsstörungen ist nicht selten ein Begleitsymptom einer anderen Beschwerde oder Erkrankung. Zu den häufigen Ursachen zählen zum Beispiel:

  • Stress und Burnout (z.B. Unter- oder Überforderung im Beruf oder im Privatleben)
  • Schlafmangel oder Schlafstörungen
  • Hoher Alkohol- oder Tabakkonsum, problematischer Substanzgebrauch  
  • Mangelnde Bewegung
  • Unausgewogene Ernährung (z.B. Mineral- und Vitaminmangel)
  • Nebenwirkungen von Medikamenten (z.B. nach einer Chemotherapie)
  • Organische, neurologische Ursachen (z.B. Schilddrüsenüberfunktion)
  • Psychische und psychosomatische Erkrankungen (z.B. Depression, Magersucht)
  • Zu viel Bildschirmarbeit

Konzentrationsstörungen im Alter, in den Wechseljahren und bei Kindern

Bei älteren Menschen sind Konzentrationsstörungen häufiger Folge einer gestörten Durchblutung des Gehirns oder sind Ursachen einer Demenz-Erkrankung, beispielsweise Alzheimer.

Frauen haben häufig in den Wechseljahren Konzentrationsprobleme, zu dieser Erkenntnis kamen amerikanische Wissenschaftler. Die Mediziner der Rochester-Universität in New York fanden bei ihren Studien heraus, dass vor allem zu Beginn der Menopause die Gedächtnisleistung bei Frauen stark beeinträchtigt sein kann. Grund dafür sind vor allem die hormonellen Veränderungen während dieser Zeit.

Besonders bei Kindern, bei denen die Konzentrationsfähigkeit noch lange nicht so ausgeprägt ist wie bei Erwachsenen, werden Konzentrationsprobleme hingegen eher sichtbar, wenn sie sich sehr viel mit dem Fernseher oder Computer beschäftigen. Arbeiten nach dem Bildschirm gucken werden als natürliche Folge dessen weniger konzentriert erledigt.

Ebenso belegen Studien, dass vor allem Müdigkeit ein weit verbreiteter Grund dafür ist, dass Kinder im Grundschulalter zunehmend Probleme mit der Konzentration haben oder an ADHS (Zappelphilipp-Syndrom) leiden, vermeldet der Berufsverband der Deutschen Psychologinnen und Psychologen.

Erblich bedingte Folgen: ADS/ADHS

Ist die Konzentrationsschwäche von Dauer, sind erblich bedingte Ursachen oder früh erworbene Schäden möglicherweise Gründe dafür. Dazu zählen zum Beispiel: ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) oder Wahrnehmungsstörungen (zum Beispiel infolge einer spät entdecken Sehschwäche) sowie Legasthenie (Lese-Rechtschreib-Schwäche). Durch Legasthenie entwickeln Kinder oft Versagensängste und eine Lustlosigkeit am Lernen. Infolgedessen können sie unkonzentriert wirken und lassen sich schneller von anderen Reizen ablenken.  

Merkmale ADS/ADHS bei Kindern

Die Beschwerden von ADS/ADHS hingegen, äussern sich bei Kindern häufig wie folgt:

  • Kurze Phasen der Aufmerksamkeit, schnelle Ablenkbarkeit, hohe Vergesslichkeit
  • Seiten links und rechts, Buchstaben oder ähnlich klingende Laute werden verwechselt
  • Verkrampfte Schreibweise
  • Feinmotorik ist schlecht ausgeprägt
  • Bewegungsfähigkeit ist unterentwickelt (z.B. Laufen wird erst spät erlernt)
  • Soziale Schwierigkeiten (z.B. Distanzlosigkeit, Isoliertheit, häufige Konflikte)
  • Probleme, alltägliche Handlungen in einer kontrollierten Abfolge zu tätigen

Merkmale ADS/ADHS bei Erwachsenen

Jedes Kind wird einmal erwachsen. Das bedeutet nicht, das ADS oder ADHS damit verschwinden. Typische Merkmale bei Erwachsenen äussern sich wie folgt:

  • Häufige Flüchtigkeitsfehler, erhöhte Schusseligkeit und Ablenkung
  • Geringere Konzentrationsfähigkeit (z.B. Probleme, im Straßenverkehr aufmerksam zu bleiben)
  • Arbeiten, die Durchhaltevermögen verlangen, werden gemieden
  • Reizempfindlichkeit gegenüber Geräuschen
  • Soziale Schwierigkeiten (z.B. Kommunikationsstörungen in der Partnerschaft)

Diagnose: Wie stelle ich fest, dass ich an Konzentrationsstörungen leide?

Wem es zu ungenau ist, nur auf die typischen Merkmale einer Konzentrationsstörung zu vertrauen, der kann sich bei einem Arzt oder einem Psychologen eine genaue Diagnose einholen. Geschulten Fachpersonen stehen standardisierte Diagnose-Verfahren zur Verfügung, die aufklären können, ob Sie an einer Konzentrationsstörung leiden oder nicht. Besonders bei Kindern wird mithilfe verschiedener Tests zur Prüfung der Konzentrationsfähigkeit festgestellt, wie konzentriert oder ablenkbar diese sind.

Neben standardisierten Verfahren werden Sie ausserdem ein Gespräch mit Ihrem Arzt oder Psychologen führen, welches ebenso hilfreiche Hinweise geben kann, inwiefern Sie von einer Konzentrationsschwäche betroffen sein könnten. Um organische, neurologische oder psychosomatische Ursachen ausschliessen zu können, kommen weitere Untersuchungen wie Hörtests, Sehtests, Bluttests oder EEG (Elektroenzephalografie) zum Einsatz.

Folgen: Welche Reaktion zeigt der Körper bei Konzentrationsstörungen?

Viele Psychologen sehen Konzentrationsstörungen als ersten Anzeichen einer Depression an. In der Regel bleiben Konzentrationsschwierigkeiten auch für die Mitmenschen nicht unbemerkt: Aussenstehende bemerken mangelnde Leistungsfähigkeit manchmal sogar schneller, als der Betroffene selbst. Ein Grund dafür kann sein, dass der Betroffene Konfliktsituationen im Beruf oder im Privatleben meidet und sich immer mehr in sich zurückzieht, obwohl er zuvor keineswegs schüchtern wirkte. Etwas deutlicher werden die Warnzeichen, wenn der Betroffene mangels Konzentration nicht mehr in der Lage ist, seine alltägliche Arbeit zu verrichten und damit der Produktionsfluss im Unternehmen ins Stocken gerät. Gleiches gilt auch privat im Haushalt, wenn Dinge über Tage oder Wochen hinweg vergessen oder missachtet werden.

Therapie: Was hilft bei Konzentrationsproblemen?

Die Therapie der Konzentrationsschwierigkeiten hängt von den individuellen Ursachen ab. Speziell kann die Konzentrationsfähigkeit durch autogenes Training oder andere Methoden der Komplementärmedizin gefördert werden. Allgemein kann die Konzentrationsfähigkeit durch einen gesunden Lebensstil verbessert werden, zum Beispiel durch eine ausgewogene Ernährung. Achten Sie ganz besonders darauf, ausreichend Ballast- und Mineralstoffe sowie Vitamine zu sich zu nehmen, sodass kein Mangel im Körper entstehen kann. Allgemein sollten sie auf eine zuckerarme, fettarme und vitaminreiche Ernährung Wert legen. Neben der richtigen Ernährungsweise ist Bewegung an der frischen Luft, Entspannung und Ausgleich neben der Arbeit, ausreichend Schlaf und der Verzicht auf übermäßigen Genuss von Nikotin oder Alkohol konzentrationsfördernd.

Das Spiel „Stadt, Land, Fluss“ ist jedem ein Begriff. Freuen Sie sich darüber, wenn Ihnen Ihre Kinder in den Ohren liegen, spielen zu wollen. Denn für Kinder sind Konzentrationsspiele sehr hilfreich, um die Konzentrationsfähigkeit auszubauen. Auch Erwachsenen können Konzentrationsübungen helfen.

Liegt eine Depression zugrunde oder sind Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion Ursachen der Konzentrationsstörungen, müssen individuelle psychologisch oder physiologische Maßnahmen ergriffen werden. Vor allem bei ADS und ADHS gibt es unterschiedliche Methoden für eine erfolgreiche Behandlung.


Tipp: Leidet ihr Kind an Konzentrationsstörungen, dann versuchen sie nicht mit Bestrafung oder Schimpfen zu reagieren. Aus psychologischer Sicht kann dieses Verhalten die Konzentrationsschwäche des Kindes sogar stärken und es in jedem Fall verunsichern. Stattdessen können Sie die Konzentrationsfähigkeit Ihres Kindes mit spannenden Lern-Spielen fördern und Ihrem Kind helfen, trotz Schwierigkeiten mit der Konzentration, ein gesundes Selbstvertrauen aufzubauen. Und ganz nebenbei stärken auch Sie selbst Ihre Konzentrationsfähigkeit.


 

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