Alles zum Thema Hypnosetherapie

Das Wort Hypnose kommt aus dem Griechischen vom Gott des Schlafes „Hypnos“ und bedeutet übersetzt „Schlaf“. Doch anders als bei magischen Bühnenshows, schläft der Klient bei der Hypnosetherapie nicht, sondern ist in einem erweiterten Wachzustand. Dabei werden die Sinne im Unbewusstsein geschärft und der Hypnotisierte wird angeregt, nach Lösungspotenzialen für Probleme oder Beschwerden zu suchen.

Frau in tiefer Trance wird hypnotisiert

Studien zufolge kann die Hypnosetherapie sogar ein sehr wirksames Verfahren sein, um Ängste zu überwinden oder Schlafstörungen zu bekämpfen. Was sich genau hinter dem Therapiekonzept verbirgt und wie anerkannt die Hypnose ist, erfahren Sie im Folgenden.

 

Was ist Hypnose?

Die Hypnose ist ein natürlicher Zustand der Entspannung und der Konzentration, bei der die Wahrnehmung durch Suggestionen geschärft wird.

Eine Hypnosetherapie, auch als Hypnotherapie bezeichnet, kann in Einzel- oder Gruppentherapie sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden.

Laut der „Gesellschaft für klinische Hypnose“ (MEG) und der „Deutschen Gesellschaft für Hypnose“ (DGH), ist die Hypnosetherapie ein psychotherapeutisches Verfahren, welches die hypnotische Trance dazu nutzt:

  • Verhaltensänderungen zu ermöglichen
  • Gedankliche Strukturen neu zu verknüpfen
  • Unproduktive Einstellungen und Haltungen zu korrigieren
  • Affektive Muster zu verändern (minimieren, verstärken, neu konditionieren)
  • Emotional belastende Ereignisse und Empfindungen zu restrukturieren
  • Physiologische/biochemische Veränderungen für Heilungsprozesse zu fördern

Neben diesen Therapiezielen soll der Patient durch die Hypnose ausserdem Zugang zu seinen individuellen Ressourcen finden und damit nicht nur psychologische, sondern auch körperliche Beschwerden positiv beeinflussen. Daher ist der Anwendungsbereich der Hypnosetherapie sehr vielfältig.

Selbsthypnose

Zudem ist Hypnose eine Technik, die der Patient selbst anwenden kann. Die sogenannte Selbsthypnose ermöglicht die bewusste Kontrolle – sofern diese bei der Konfliktbewältigung störend ist – zu reduzieren und Lernvorgänge zu aktivieren.

Bei der Selbsthypnose kommen ähnliche Techniken zum Einsatz wie sie der Hypnotiseur anwendet. Mithilfe von Lösungsphantasien sollen dabei Veränderungsprozesse in Gang gesetzt werden. Da bei der Selbsthypnose die Person die Rolle des Hypnotiseurs mit übernehmen muss, ist eine besonders tiefe Hypnose in der Regel jedoch nicht möglich.

 

Wem hilft Hypnose?

Die Hypnose kann bei zahlreichen Beschwerden angewandt werden.

Psychische Symptome zählen zu den bekanntesten Gebieten, die sich für eine Behandlung mit der Hypnose eignen. Beispiele dafür sind:

  • nervöse Anspannungen
  • geringes Selbstbewusstsein
  • Stottern
  • allgemeines mentales Training

Auch als Suchtprävention ist die Hypnose geläufig. So kann die Behandlung bei folgenden Behandlungsfelder nützlich sein:

  • Raucherentwöhnung
  • Essstörungen
  • Alkoholsucht

Zum Einsatzgebiet der Hypnose zählen allerdings auch körperliche Beschwerden wie:

  • chronische Schmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Vorbereitung auf anstehende Operationen

Zudem kann Hypnose Personen therapieren, die

  • an Adipositas (Fettleibigkeit) leiden
  • allgemein beim Abnehmen Hilfe brauchen

 

Wie fühlt sich Hypnose an?

Was genau der Hypnotisierte im Zustand der Trance empfindet, ist ganz individuell.

Wer bei der weit verbreiteten Entspannungshypnose in eine Trance versetzt wird, fühlt sich im Allgemeinen entspannt und weniger schläfrig oder abwesend wie vielleicht vermutet. Denn auch wenn der Hypnotisierte in einem Zustand zwischen schlafend und wach liegt, kommt es bei der Hypnose darauf an, dass er äusserst fokussiert ist.

Es gibt allerdings auch Trance-Zustände, die im Gegenteil dazu sehr aktiv sind. Der Hypnotisierte ist hellwach und kaum in Trance, etwa bei der Wachhypnose.

Therapeuten haben die Möglichkeit unterschiedliche Techniken der Hypnose anzuwenden. Drei mögliche Methoden, haben wir genauer unter die Lupe genommen:

1. Entspannungshypnose

Wie der Name andeutet, wirkt die Entspannungshypnose sehr beruhigend auf den Patienten. Das soll das Nervensystem regenerieren und beim Hypnotisierten eine tiefe Suggestion hervorrufen. 

Die hypnotisierte Trance, die durch die Entspannungshypnose hervorgerufen wird, fühlt sich ähnlich an, als würde man lange in die Ferne oder auf ein und denselben Punkt blicken. Wer diesen Trance-Zustand erreicht, spürt innere Ruhe und ist dazu in der Lage, Gefühle tiefer wirken zu lassen. Der Patient kann loslassen und Probleme können davonziehen; so lautet die Vorstellung der Hypnosetherapie.

Auch wenn jeder einen ähnlichen Trance-Zustand wie bei der Entspannungshypnose schon mal erlebt hat, ist diese noch intensiver und stärker als es bei der zufälligen Trance der Fall ist.

2. Wachhypnose

Die Wachhypnose wird nicht so häufig angewendet wie die Entspannungshypnose und kommt vor allem bei bestimmten Patienten in Frage. Sie kommt vor allem zum Einsatz, wenn bei Patienten mitkörperlichen Beschwerden oder Ängsten herkömmliche Vorgehensweisen der Hypnose nicht möglich sind.

In der Wachhypnose befindet sich der Patient die gesamte Behandlung über in einem Wachzustand. Auch wenn der Hypnotisierte nur eine ganz einfache Suggestion vom Therapeuten empfängt, kann die Wachhypnose in vielen Behandlungsbereichen sehr gute Wirkung erzielen.

3. Therapeutische Tiefentrance

Unter der Tiefentrance verstehen viele Menschen den Zustand der vollkommenen Abgabe der Bewusstseinskontrolle, durch die der Patient schnell manipuliert werden kann. Dies trifft hier jedoch nicht zu.

In der therapeutischen Tiefentrance fühlt sich der Hypnotisierte zwar sehr entspannt, teilweise vielleicht auch benebelt, ist aber dennoch anwesend.

Der therapeutischen Tiefentrance wird nachgesagt, dass sie die Therapieform mit dem dauerhaftesten Wirkungsgrad hat, da es das Unbewusstsein am besten beeinflussen und Suggestion intensivieren kann.

 

Keine Angst vor Hypnose

Jemand, der mit der Hypnose noch nie in Berührung gekommen ist, vermutet fälschlicherweise oft, dass während der Sitzung die Kontrolle über das Bewusstsein verloren geht.

Denn wenn von Hypnose die Rede ist, denken viele Menschen automatisch an die Bühnenhypnose, bei der einzelne Zuschauer den Befehlen des Hypnotiseurs willenlos ausgeliefert sind. Diese Annahme ist allerdings ein weit verbreiteter Trugschluss. Denn die medizinische Hypnose hat nichts dergleichen mit der Vorführhypnose zu tun.

Im Zustand der therapeutischen Hypnose ist man niemals willenlos. Der Patient gibt während der Behandlung seine Kontrolle also nicht in die Hände des Therapeuten ab. Zwar begibt er sich in einen Zustand der Trance, der sehr tief sein kann, verliert jedoch dabei nicht das Bewusstsein oder die Selbstkontrolle. Der Patient ist nicht nur Herr seiner Sinne, sondern spürt genau, was um ihn herum geschieht.

Somit gibt der Hypnotisierte während der Behandlung, auch wenn er sich in einem tiefen Trance-Zustand befindet, keine Informationen preis, die er nicht mitteilen möchte und kann selbst den Trance-Zustand verlassen, wenn er will. Denn eine hypnotische Trance ist ein subjektiv veränderter Bewusstseinszustand.

Selbst wenn im Moment der Trance ein Feuer ausbrechen würde, wäre der Patient ohne Warnung dazu in der Lage, die Flucht zu ergreifen.

Es ist demnach nicht möglich, in der Hypnosetherapie gegen seine ethischen Vorstellungen beeinflusst zu werden. Zudem dokumentiert der Hypnose-Therapeut eine Sitzung normalerweise ganz genau oder nimmt die Hypnosesitzung auf Tonträgern auf.

Wer sich fragt, ob es möglich ist, nicht mehr aus der Hypnose aufzuwachen, kann auch hier beruhigt werden. Bisher ist kein einziger Fall bekannt, bei dem der Patient im Zustand der Trance geblieben ist. Sollte der Hypnotiseur nicht dazu in der Lage sein, den Patienten aus der Hypnose zurückzuholen, kann dieser von selbst wieder in den Wachzustand gelangen oder in einen leichten Schlaf fallen, aus dem er kurze Zeit später erwacht.

Selten kann es passieren, dass der Hypnotisierte nach der Behandlung ein leichtes Schwindelgefühl wahrnimmt oder Kopfschmerzen entstehen. Schwerere Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Demnach gibt es keinen Grund, vor einer Hypnosetherapie mehr Angst zu haben als vor anderen Behandlungsmethoden.

 

Wie funktioniert Hypnose?

Die Hypnose ist eine Art Tür zum Unbewussten.Denn bei der Hypnose wird das Unbewusstsein aktiviert und in erhöhte Aufmerksamkeit versetzt.

Befinden Sie sich in einem Zustand der Trance, kann eine stärkere Verbindung zum Wesenskern aufgenommen werden. So ist es möglich bei Bewusstsein in das Unbewusstsein einzutauchen.

Was Sie dort finden, sind häufig versteckte Wahrheiten, verdrängte Erinnerungen oder alte Glaubenssätze. Die Kenntnis über dieses verborgene Wissen ist der erste Schritt zu einer nachhaltigen Veränderung.

Eine Hypnose kann nicht funktionieren, wenn der Patient den Zustand der Trance ablehnt. Eine defensive und ablehnende Haltung ist zwar zum einen nicht ideal, um sich mit der Hypnose therapieren zu lassen, zum anderen verhindert dieser Zustand, dass sich der Patient gegen seinen Willen hypnotisieren lässt.

Bei der dynamischen Hypnose geht es vor allem darum, einfachere Probleme zu lösen. Dazu gehört Prüfungsangst oder Konzentrationssteigerung.

Die Hypnoseanalyse hingegen beschäftigt sich mit psychischen Probleme die sogar einen Krankheitswert haben können. Suggestive Elemente werden bei der Therapie mit einbezogen und arbeitet nach dem Grundsatz von Ursache und Wirkung.

 

Wie wirksam ist Hypnose?

Sowohl die experimentelle als auch die klinische Hypnoseforschung entwickelten sich vor allem in den letzten 30 Jahren erheblich, berichtet der Hypnose Dachverband Schweiz (DHS).

Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Hypnosetherapie in unterschiedlichen Bereichen wirksame Effekte erzielen kann. Der „Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie“ hat definierte Anwendungsbereiche der Hypnosetherapie im Jahr 2006 sogar wissenschaftlich anerkannt. Dazu zählen:

  • Psychische und soziale Faktoren bei somatischen Erkrankungen
  • Abhängigkeiten und Missbrauch (Raucherentwöhnung und Methadonentzug)

1. Hypnose bei Angststörungen

An der „Universität Konstanz“ testeten Wissenschaftler 2006 die Wirksamkeit der Hypnosetherapie bei Angststörungen. Dabei wurde eine Metaanalyse für 18 kontrollierte, klinische Studien durchgeführt. Zu den Beschwerden, unter denen die getesteten Personen litten, zählten Phobien, generalisierte Angststörung und Angst.

Wie sich zeigte, erzielte die Hypnosetherapie besonders gute Wirksamkeit bei Kindern und bei Patienten mit Phobien.

Insgesamt verbesserten sich die Beschwerden bei 73,56 Prozent der Probanden. Dabei hatte die Anzahl der Therapiesitzungen keinen signifikanten Einfluss auf die Effektivität. Im direkten Wirksamkeitsvergleich zur Verhaltenstherapie ergab sich kein signifikanter Unterschied.

Damit kann Hypnotherapie als wirksames bis hochwirksames Verfahren bei bestimmten Angststörungen gelten und zeigt sich im direkten Vergleich mit Verhaltenstherapie als genauso effektiv.

2. Hypnose zum Abnehmen

Einer aktuellen Studie der „Universität Tübingen“ zufolge kann Hypnotherapie bei Übergewicht helfen. Im Gegensatz zur Verhaltenstherapie zeigten sich bei den übergewichtigen Probanden, die mit der Hypnosetherapie behandelt wurden, stärkere Verbesserungen.

Insbesondere nach der Therapie hielten die Testpersonen ihr Gewicht konstanter.

3. Hypnose bei Neurodermitis

Eine weitere Studie der „Universität Tübingen“ fand heraus, dass bei Patienten mit Neurodermitis ebenfalls Erfolge durch eine Hypnosetherapie verzeichnet werden konnten. Die Hauterkrankung hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen und verursacht häufig zusätzlich psychosoziale Belastungen.

33 Patienten mit Neurodermitis wurden in der Studie entweder mit Hypnotherapie behandelt oder einer Kontrollgruppe zugewiesen. Insgesamt bekamen die Probanden der ersten Gruppe individuelle Therapiesitzungen über zwölf Stunden lang.

Während sich die Beschwerden der Patienten aus der Gruppe mit Hypnosetherapie signifikant verbesserten, wiesen die Patienten der Kontrollgruppe eine jahreszeitbedingte, signifikante Verschlechterung auf.

Zudem nahm die psychosoziale Belastung bei den Patienten mit Hypnosebehandlung ab und war im Vergleich zur Kontrollgruppe nach der Therapie sogar nur halb so stark vorhanden.

Die Veränderungen bezeichneten die Wissenschaftler den Ergebnissen zufolge als klinisch bedeutsam. Denn die Effektivität der Hypnosetherapie lag deutlich über denen vergleichbarer Therapieprogramme.

4. Langzeitwirkung der Hypnosetherapie

Wie eine Metaanalyse von über elf verschiedenen Studien zeigt, kann mithilfe der Hypnose eine signifikante Wirksamkeit auch in den Bereichen Adipositas, Migräne, primäre Insomnie (Schlafstörung), Flugangst, Prüfungsangst und Nikotinabhängigkeit erzielt werden.

Um die Langzeitwirkung der Hypnotherapie festzustellen, wurden drei unterschiedliche Behandlungsformen getestet und mit einer Kontrollgruppe verglichen. Zu den Therapieformen zählten: 1. Hypnosetherapie 2. Verhaltenstherapie 3. kombinierte Therapie.

Insgesamt wurden 397 Patienten ausgewertet, die unter einer der oben genannten Beschwerden litten. Darunter waren 278 Frauen und 119 Männer. Von ihnen wurden insgesamt 99 Personen mit der Hypnose behandelt, 110 Patienten vollzogen eine Behandlung durch die kognitive Verhaltenstherapie und 138 Personen durchliefen ein kombiniertes Programm. 50 Probanden befanden sich in einer unbehandelten Kontrollgruppe.

Alle Studien wurden an der „Universität Tübingen“ in der Abteilung für Klinische- und Entwicklungspsychologie durchgeführt.

Mithilfe von Katamnesedaten, also Berichten über den Zustand des Patienten nach dessen Entlassung, wurden die gesundheitlichen Verbesserungen ausgewertet. Wie sich zeigte, konnten alle drei Behandlungen kurz- und langfristige Erfolge verzeichnen. Doch während die kognitive Verhaltenstherapie konstant mittlere Effektstärken aufwies, zeigte sich bei der Hypnosetherapie eine Steigerung der Wirksamkeit von mittlerer oder sogar grosser Effektstärke, sobald die Therapie abgeschlossen war.

Die bedeutendste Wirksamkeit erzielte eine kombinierte Therapie mit hypnotischen und verhaltenstherapeutischen Elementen.

Ausserdem stellten die Wissenschaftler fest, dass es eine deutlich grössere Langzeitwirkung von Interventionsformen mit hypnotherapeutischen Elementen gegenüber reiner Verhaltenstherapie gab.

 

 

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