Neurofeedback wird ausgewertet

Das Neurofeedback hat sich mittlerweile weltweit in der Alternativmedizin etabliert und ist eine wissenschaftlich anerkannte Methode zur Stabilisierung und Zentrierung des Nervensystems. Mit Neurofeedback kann die Wahrnehmung geschärft, das Denken gefördert, die Aufmerksamkeit gestärkt und Stress reduziert werden. Die Trainingsmethode wird einerseits zur Leistungssteigerung in den Bereichen Sport, Business und Musik eingesetzt und andererseits kann sie bei ganz unterschiedlichen psychischen und physischen Beschwerden helfen. Neurofeedback ist ein Lernprozess, bei dem destruktive Gehirnwellenmuster und die dazugehörigen Gedanken, Körperempfindungen und Verhaltensweisen voneinander entkoppelt und konstruktive neue Muster erlernt werden. Der gelernte Zustand ist nachhaltig.

Was ist Neurofeedback?

Neurofeedback ist eine sanfte und wirksame Heil- und Aufbaumethode, die mit Hilfe eines speziellen Computerprogramms gesteuert wird. Während der Behandlung wird die Gehirnaktivität mittels EEG (Elektroenzephalogramm) gemessen, dargestellt und vom Computer ausgewertet. Über die Elektroden wird immer nur der Strom des Gehirns gemessen und niemals Strom in den Kopf geleitet. Somit ist das Neurofeedback eine schmerzfreie Trainingsmethode.

Zur Korrektur von nicht konstruktiven Gehirnwellenmustern erhält der Klient ein Feedback. Das Feedback kann je nach Neurofeedback-System auf unterschiedliche Art und Weise gegeben werden. Visuell über einen Monitor, auditiv über Lautsprecher oder haptisch über Vibration. Dieses Feedback hilft dem Gehirn des Klienten in erster Linie, seine Gehirnaktivität zu regulieren. Genauer gesagt lernt das Gehirn, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen. In Situationen, die eine hohe Leistung erfordern, werden diese zur Verfügung gestellt. In Situationen, die wiederum keine höheren Gehirnleistungen erfordern, können sich Gehirn und Organismus schnell und effizient entspannen. Gerade in unserem modernen Zeitalter, in dem Stress und Hektik oftmals den Alltag bestimmen, wird Neurofeedback daher eine immer wichtigere Methode.

Im Verlauf des Neurofeedback-Trainings soll das Gehirn ebenfalls lernen, spezielle Fähigkeiten wie Konzentration und Kreativität zu fördern. Dies gelingt besser, wenn beide Gehirnhälften optimal miteinander vernetzt sind und alle Gehirnareale miteinander zusammenarbeiten. Prozessor und Speicher unseres Supercomputers im Kopf sollen möglichst effizient und effektiv verwendet werden. Basierend auf diesem Ansatz können Störungen oder Verhaltensmuster durch Neurofeedback ausgeglichen und überwunden werden. So werden z.B. Phasen der Unaufmerksamkeit oder Störungen bei der Konzentration entdeckt und zurückgemeldet. Über mehrere Sitzungen hinweg lernt das Gehirn, seinen aufmerksamen Zustand aufrecht zu halten. Neurofeedback-Trainer sprechen hierbei von der Selbstregulierung des Gehirns. Durch die Stabilisierung des Nervensystems können sowohl psychische Symptome als auch physische Beschwerden behandelt werden. 

Wie können Sie sich ein Neurofeedback-Training vorstellen?

Vor der Behandlung führt der Trainer mit dem Klienten ein Gespräch. Nachdem Bestandesaufnahme, Symptome und individuelle Zielvorstellungen besprochen sind, wird das Neurofeedback-Training und dessen Verlauf geplant. Je nach individuellen Bedürfnissen wird entschieden, wie häufig eine Trainingssitzung abgehalten wird. In der Regel findet das Training ein bis drei Mal pro Woche statt. Im Verlauf des Trainings werden immer wieder Entwicklungen und Erfolge mit dem Klienten besprochen. Eine Sitzung dauert meist 45 bis 60 Minuten.

Neurofeedback-Training ist ein Lernprozess: Es ist darum entscheidend das Training so lange fortzuführen, bis das Gelernte nachhaltig verankert und der gewünschte Zielzustand erreicht ist. Die Dauer des Trainings beläuft sich in der Regel je nach Symptomatik auf zehn bis 30 Sitzungen. Nach einem intensiven Start in das Neurofeedback-Trainingsprogramm, kann die Frequenz der Sitzungen allmählich verkleinert werden. Bleiben die positiven Veränderungen über einen langen Zeitraum stabil, kann das Neurofeedback-Training abgeschlossen werden.

Wem hilft Neurofeedback?

Die Methode Neurofeedback kann sowohl bei Kindern im Vorschulalter als auch bei Erwachsenen jeden Alters angewendet werden. In erster Linie kann Neurofeedback dabei helfen, die Entspannungsfähigkeit zu fördern, die Stresstoleranz auszubauen und allgemein die Aufmerksamkeit, Konzentration und Impulskontrolle zu erhöhen. Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt.

Trainingsfelder auf einen Blick:

  • ADS/ADHS
  • Lernschwierigkeiten
  • Verhaltensstörungen
  • Bettnässen
  • Schlafprobleme
  • Konzentrationsstörungen
  • Prüfungsangst, Lampenfieber
  • Stressmanagement
  • Depression
  • Burnout
  • Angststörungen
  • Panikattacken
  • Müdigkeit
  • Chronische Schmerzen
  • Förderung der Rehabilitation nach Operationen oder Unfällen
  • Migräne
  • Tinnitus

Geschichte des Neurofeedbacks

Im Verhältnis zu vielen anderen Therapien in der Komplementärmedizin ist Neurofeedback eine recht junge Methode. Trotzdem wird ihr in der Wissenschaft bereits viel Anerkennung geschenkt. Die Grundlage der Methode basiert auf der Entdeckung der Wellenaktivität im menschlichen Gehirn. Der deutsche Neurologe und Psychiater Hans Berger entdeckte in den 30er Jahren rhythmische Aktivitäten von Alphawellen aufgrund des von ihm entwickelten Messgeräts, des Elektroenzephalographen (EEG). In den 60er Jahren forschte der Neurologe Joe Kamyas weiter an Bergers Entdeckung.

Barry Sterman war es schliesslich, der auf den Grundlagen beider Wissenschaftler die positive Wirkung von Neurofeedback belegen konnte. Barry, der heute als Professor für Neurobiologie an der „University of California“ arbeitet, bekam von der NASA den Auftrag, die Wirkung eines Treibstoffgemischs auf den menschlichen Organismus zu erforschen. Barry fand heraus, dass dieser Stoff Epilepsie hervorrufen kann. Getestete, die vorab ein Neurofeedback erhielten, waren hingegen resistenter oder gar immun gegen eine Erkrankung am zentralen Nervensystem.

Neurofeedback bei der Behandlung von ADS/ADHS

Nach diesem ersten Durchbruch forschten Joe Kamya und sein Team weiter, wie das Neurofeedback auf den Menschen übertragen werden könne, um Beschwerden wie Konzentrationsstörungen zu lindern. Die Forscher fanden durch das EEG heraus, dass bei Patienten mit ADS/ADHS ungewöhnlich viele Thetawellen nachzuweisen waren. Bei Patienten, die keine Störung aufwiesen, lag der Rhythmus eher im Alpabereich. Aufgrund dieser Ergebnisse stellten die Wissenschaftler die These auf, Theta im Wachzustand sei die Ursache für Konzentrationsprobleme.

Durch diese These gelang es den Neuro-Forschern, nicht nur der Ursache von Konzentrationsstörungen auf den Grund zu gehen, sondern sogar eine Lösung für die Beschwerde zu entdecken. Denn durch eine Minderung der Thetaaktivität im Gehirn und durch eine Erhöhung der Beta-Frequenz mithilfe des Neurofeedbacks gelang es tatsächlich, eine dauerhafte Beschwerdefreiheit bei ADHS-Patienten herbeizuführen. Umso mehr stützen diese Ergebnisse die Vermutung, dass unsere Gehirnaktivität durch ein regelmässiges Training wie Neurofeedback steuerbar ist.

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