Wenn Sie längere Zeit eine Stelle suchen und sich auf dem Schreibtisch die Bewerbungen und Absagen stapeln, kommen Sie sich vielleicht manchmal vor, wie beim guten alten „Leiterlispiel“. Die gewürfelte Zahl führt Sie zufälligerweise zum x-ten Mal auf das Feld 26, auf welchem die Rutschbahn bereits wieder wartet, welche Sie wieder zurück auf das Feld 1 führt. Oder dann geraten Sie drei Felder vor dem Ziel auf das Feld 127 mit dem Taucher und landen deshalb ganze 20 Felder weiter unten im Spiel. Das Zurückfallen auf dem Weg zum Ziel mag im Spiel zufällig und amüsant sein, doch den langen, mit vielen Rückschlägen gepflasterten Weg zum passenden Job, erleben viele Arbeitssuchende allerdings eher als zunehmende Ohnmacht und Frustration oder auch als Verunsicherung über die eigenen Bewerbungs- und Berufskompetenzen. Manche kommen dazu auch finanziell in grosse Nöte, so dass die sogenannte „Arbeitslosigkeit“ zur existenziellen Erfahrung von vergeblichem Arbeitsaufwand und enormem psychischem Stress wird.

 

Konstruktiver Umgang mit der Ungewissheit

Den scheinbar ewig gleichen Ablauf zu erleben- vom Stelleninserate bis zur oft kurzen und nichtssagenden Absage- kann den Eindruck erwecken, dass Sie in einer Zeitschlaufe feststecken, wie der Hauptdarsteller der US-Filmkomödie „Und täglich grüsst das Murmeltier“ aus dem Jahr 1993. Darin erlebt der Hauptdarsteller Murphy als Wetteransager den Tag eins Murmeltiers immer wieder aufs Neue. Er weiss weder wie lange diese Zeitschlaufe dauern wird, noch was er dafür tun könnte, dass die Zeit wieder normal weiterläuft und sich dieser für ihn schreckliche Tag nicht endlos wiederholt. Bis der Hauptdarsteller diese Zeitschlaufe für sich konstruktiv nutzen lernt, vergeht eine ganze Weile.
 

Wüsste man im voraus, wie lange die Arbeitssuche dauert und wo Sie endet, könnte man die Zeit ohne Stelle als eine Art Auszeit ansehen und sie entsprechend geniessen. Sie könnten die Zeit beispielsweise für Aktivitäten nutzen, für welche Sie sonst nie Zeit haben. Doch die Ungewissheit und der Druck immer etwas für die Jobsuche tun zu müssen, lässt viele in einer Daueranspannung und Beschäftigung mit dem Thema Erwerbsarbeit ausharren, welche es manchmal verunmöglicht, in wirklicher Freizeit auch Angenehmes und Inspirierendes zu erleben und so neuen Schwung für die Arbeitssuche zu holen.
 

Irvin D. Yalom, ein bekannter amerikanischer Psychotherapeut, stellt seinen Klientinnen und Klienten zur Fokussierung auf das Wesentliche gerne folgende Frage: „Wie müssten Sie von nun an bis in einem Jahr leben, damit wir uns dann wieder hier treffen könnten und Sie wenig bis nichts von diesem Jahr  bereuen würden?“ Die Lebenslust und die damit verbundene Motivation etwas anzupacken, vergrössert sich, wenn wir uns auf das zentral Wichtige in unserem Leben fokussieren und dies ist mit Sicherheit nicht nur die Arbeit. Kaum ein Sterbender, darauf angesprochen, was er an seinem Leben am meisten bereut, gibt an, er hätte mehr Zeit bei der Arbeit verbringen sollen. Planen Sie Ihre Arbeits- und Freizeit bewusst ein und überlegen Sie sich, wann Sie wirklich „frei“ von der Stellensuche sind und geniessen Sie diese Zeit bewusst.
 

Wie die Motivation stärken, weiterzumachen?

Manchmal kann ein Perspektivenwechsel neue Spielräume in einer Situation der Ohnmacht schaffen. Sehen Sie genau hin und setzten Sie sich vertieft mit Ihrer Situation auseinander, anstatt ihr möglichst schnell und egal wie entfliehen zu wollen. Dafür helfen folgende Vorgehensweisen:
 

  • Interpretieren Sie alle Ereignisse während der Arbeitssuche vom Lesen des Stelleninserates, über das Verfassen des Motivationschreibens und dem Bewerbungsgespräch als nützliche Zusatzinformationen für Ihren persönlichen Weg zum passenden Job. So liefert jedes Bewerbungsgespräch nicht nur eine Menge Informationen über Sie selbst, sondern auch für Sie selbst. In welcher Umgebung haben Sie sich in Ihrem Element gefühlt? Welches Unternehmen passt zu Ihnen? Jede Absage kann Ihnen also auch dabei helfen zu erkennen, nach was für einer Art Job Sie im Grunde suchen.
     
  • Haben Sie den Mut, einen grob unpassenden Job auch mal von sich aus nicht anzunehmen, bzw. dafür zu sorgen, dass man Sie nicht anstellt. Kein Job ist manchmal besser als ein Schlechter und ein nerviger RAV-Berater ist vielleicht besser als ein katastrophaler Chef.  Würde und Selbstachtung gilt es auch in der Arbeitslosigkeit zu pflegen.
     
  • Erstellen Sie eine konkrete Ideal-Job-Beschreibung, inklusive Lohn und Arbeitsbedingungen, Ihrerseits als „Job-Bestellung“ ans Leben. Diese wiederum führt dazu, dass Sie sich nicht nur Ihrer Bedürfnisse, sondern auch Ihrer Stärken und Fähigkeiten noch bewusster werden und sich dementsprechend auch besser „verkaufen“ können auf dem Arbeitsmarkt.
     
  • Belohnen Sie sich selber mit viel Eigenlob fürs Durchhalten und führen Sie sich auch vor Augen, wieviel Sie im Rahmen der Stellensuche bereits geleistet haben.
     
  • Listen Sie sich auf, was Ihnen im Leben wichtig ist, was Sie alles können und wissen sowie welche Krisenzeiten Sie bereits erfolgreich bewältigt haben. Zu leicht verschiebt sich der Fokus darauf, welche Kompetenzen man angesichts konkreter Anforderungsprofile in Stelleninseraten gerade nicht vorzuweisen hat, anstatt auf die Fähigkeiten, welche Sie mitbringen.
     
  • Nicht zuletzt gilt es auch anzuerkennen, welche Fähigkeiten Sie gerade jetzt durch die schwierige Situation entwickeln. Geduld, Ausdauer, Gottvertrauen, gesunder Egoismus oder einfach Humor? Diese Eigenschaften werden Ihnen später noch von Nutzen sein.

 

Soziales Netzwerk pflegen

Eine grosse Herausforderung für viele Arbeitssuchende ist die drohende Vereinsamung zu Hause, wenn die sozialen Kontakte am Arbeitsplatz fehlen. Deshalb ist es wichtig, unter die Leute zu gehen und sich mit seinen Freunden zu verabreden, egal wie es Ihnen geht und was Sie über Ihre Arbeitslosigkeit denken. Als Trick können Sie sich vornehmen, an jedem Tag mit mindestens zwei Personen Kontakt aufnehmen, egal wegen was und wie. Treffen Sie sich mit Leuten, die Sie einfach gern haben, egal was Sie gerade tun, und die Sie lange genug kennen, um Sie an Ihre persönlichen Stärken und Vorzüge zu erinnern. Auch die externe Perspektive einer Fachperson wie z.B. einer Laufbahnberater/in oder Psycholog/in kann sich auf Ihre Situation hilfreich und inspirierend auswirken. Vielleicht bringt auch eine ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste der Mitmenschen eine sinnvolle Beschäftigung und neue Perspektiven?

Was Sie auch tun, halten Sie sich an die Worte Kafkas: „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht“.  Gute Reise!

 

 

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