Ca. 21'600-28'000 Mal! Tag für Tag! Was ist damit gemeint? So oft atmen wir ein und aus und unser Zwerchfell unterstützt uns unermüdlich dabei. Aber funktioniert das Zwerchfell auch so, wie es soll?

Leiden Sie manchmal unter Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und/oder der Leiste, oder an Beschwerden der Brustwirbelsäule, Magenbeschwerden (Sodbrennen, Völlegefühl nach dem Essen, Schluckauf...) oder Atemwegs-Erkrankungen?

Dann könnte es an Ihrem Zwerchfell liegen.

Was ist das Zwerchfell und welche Aufgabe hat es?

Das Zwerchfell ist der zentrale Atemmuskel unseres Körpers. Er ist stolze 3-5 mm dick! Er liegt am unteren Ende unseres Brustkorbes und bildet eine kuppelförmige Scheidewand aus Muskeln und Sehnen zwischen dem Brust- und Bauchraum. Es ist an den Rippen, der Lendenwirbelsäule und am Sternum befestigt.

Diese Muskel-Sehnenplatte ist aber nicht hermetisch geschlossen, sondern es hat drei Öffnungen:  den Aortenschlitz (Hiatus aorticus), den Speiseröhrenschlitz (Hiatus oesophageus) und das Hohlvenenloch (Foramen venae cavae).

Das Zwerchfell ist ein besonderer Muskel. Anders als andere Muskeln, die entweder willkürlich (willentlich) oder unwillkürlich (nicht beeinflussbar) arbeiten, kann das Zwerchfell beides: wir atmen kontinuierlich ohne nachzudenken, aber wir können für eine kurze Zeit den Atem anhalten. Während der Ein- und Ausatmung legt das Zwerchfell einen Weg von bis zu 6-7 Zentimetern zurück.

Wenn wir einatmen, zieht sich das Zwerchfell zusammen und bewegt sich in Richtung Bauchraum. Bei der Einatmung bewegen sich die Rippen nach aussen und vergrössern so den Brustraum. Dadurch wird die Lunge gedehnt. Der entstehende Unterdruck zieht die Atemluft in die Lungenflügel. Bei der Ausatmung entspannt das Zwerchfell und hebt sich Richtung Brustraum. Die Luft strömt wieder aus der Lunge heraus und die Rippen senken sich wieder. Normalerweise atmen wir 15-20 Mal, Säuglinge bis zu 45 Mal pro Minute.

Was kann die Bewegung des Zwerchfells einschränken?

Wenn wir über Jahre hinweg falsch atmen, kann die Beweglichkeit des Zwerchfells eingeschränkt sein. Falsch Atmung bedeutet:

Die Brustatmung: Viele Menschen atmen nur mit dem Brustkorb, während sie die Baumuskeln ständig unwillkürlich angespannt halten = Atmen auf Sparflamme.

Die Bauchatmung: der Bauch hebt sich zwar tatsächlich mit der Atmung, der Brustkorb aber nicht.

Die Hochatmung: die Atembewegung geht nicht nach unten in den Bauch und in den unteren Brustkorb, sondern der Brustkorb wird mit den Halsmuskeln bei jeder Einatmung nach oben gezogen.

Alle drei Atmungen sind für unser Leben nicht ausreichend. Unsere normale Atmung ist eine Vollatmung, die über Brust und Bauch gleichzeitig geht.

Das Zwerchfell hat noch andere Funktionen: Druckausgleich im Körper und Bewegungs-Impulsgeber für die Organe. Ist die Mobilität des Zwerchfells eingeschränkt, kann es zu Dysbalancen bei den Organen kommen. Ein gut bewegtes Zwerchfell kann die bestmögliche Situation für unsere Organe schaffen.

Wenn unser Zwerchfell sich nicht richtig gut bewegt, können folgende Einschränkungen auftreten (neben den am Anfang erwähnten Beschwerden):

  • Beschwerden während dem Sport (Seitenstechen)
  • Spannungskopfschmerzen
  • Die oben erwähnten Symptome nach einer Schwangerschaft
  • Gefühl eines Korsetts im Rippenbereich
  • Vegetative Symptome wie Schwitzen, leichte Übelkeit, leichter Schwindel, Unwohlsein, Herzklopfen
  • Innere Unruhe, Ängste, schlechte Konzentration

Die Therapie

Es ist eine sanfte Therapie, wo ich mit meinen Daumen langsam in Richtung Zwerchfell einsinke und dieses mobilisiere. Dies kann am Rücken im Liegen oder im Sitzen, oder in Rücklage entlang der Rippen im Bauchraum gemacht werden. Ziel ist es, das Zwerchfell wieder in seine ursprüngliche Lage zu bringen und dadurch die Atmung zu befreien.

– Im antiken Griechenland glaubte man übrigens, dass das Zwerchfell der Sitz der Seele ist! – 

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