Haben Sie manchmal das Gefühl, dass Ihre Liebesbeziehung eher Kraft kostet als dass sie Ihnen Kraft gibt? Erleben Sie Ihre Partnerschaft als einseitig? Erfahren Sie eine Ihrer andern zwischenmenschlichen Beziehungen als kräfteraubend?

 

 

Hier erfahren Sie, wie man „Energieräuber“ erkennt und wie man sich schützen kann.

 

Es gibt Beziehungen, die Kraft kosten

Es ist wissenschaftlich umstritten, ob es so etwas wie eine psychische Energie gibt, die geraubt werden kann. Man kann sie mit Sicherheit bisher nicht messen. Aber wir kennen alle das Phänomen, dass uns gewisse zwischenmenschliche Beziehungen bereichern und uns Kraft geben, also gewissermassen Energie spenden. Manchmal haben wir es aber auch mit Menschen zu tun, mit denen jede Begegnung anstrengend ist und uns eher Kraft zu rauben scheint. Gehen wir mit ihnen eine längere Beziehung ein, fühlen wir uns je länger je mehr ausgelaugt, enttäuscht und emotional erschöpft.

 

Zwei Beziehungstypen

Man kann zwei Beziehungstypen unterscheiden: Den Energieräuber (der natürlich weiblich oder männlich sein kann) oder Nehmertyp und den Energiespender (die Spenderin) oder Gebertyp, die wie Schlüssel und Schloss aufeinanderpassen.

 

Das Beispiel Liebesbeziehung

1. Wie es sein sollte

In der Liebe steckt eine ungeheure Energie. Sie kann bekanntlich Berge versetzen. Eine gute Partnerschaft macht einen deshalb stärker. Und sie besteht aus gegenseitigem Nehmen und Geben. Vielleicht nicht immer gleichzeitig. Mal gibt der eine mehr, mal der andere. Aber im grossen Ganzen wird es ausgeglichen sein.

 

2. die einseitige Liebe

Das klassische Beispiel für eine unausgeglichene Energiebilanz ist die einseitige Liebe. Der eine Partner verschenkt sein ganzes Herz und will den andern glücklich machen. Der andere nimmt und nimmt und ist doch nie zufrieden und kann auch keine Wärme zurückgeben.

 

Der Energieräuber

Der Nehmertyp ist nicht einfach ein berechnender Mensch sondern handelt unbewusst. Es sind oft oft Menschen, die als Kind zu kurz gekommen sind und deshalb einen unstillbaren Hunger nach Liebe und Zuwendung und manchmal auch materiellen Gütern haben. Sie sind von ihrer eigenen Bedürftigkeit so gefangen, dass sie sich kaum in andere Menschen einfühlen und deren Perspektive verstehen können.

 

Der Energiespender

Gebertypen sind das Gegenteil. Sie haben eine grosse Empathiefähigkeit, spüren, wie es andern geht und möchten nahestehende Menschen glücklich machen oder ihnen Leid ersparen. Sie sind freundlich und grosszügig und sagen lieber ja als nein. Damit werden sie zum idealen Opfer für Nehmertypen. Sie sind manipulierbar, weil sie schlecht nein sagen können. Sie versuchen, sich um der Harmonie willen an die Wünsche, Forderungen und Vorstellungen des Partners anzupassen und erwarten, dass ihnen der andere in derselben Weise entgegen kommt- natürlich vergeblich.

 

Wie kommen Sie aus der Sackgasse?

Für den Energiespender ist im Umgang mit Nehmertypen Abgrenzung das Allerwichtigste. Es braucht das Nein in der Liebe. Der Gebertyp muss sich bewusst werden, dass er die Defizite des Partners nie wird kompensieren können. Er muss also zu sich selbst Sorge tragen und darf nur soviel in die Beziehung investieren, wie auch zurückkommt. Er darf nicht so selbstlos sein, dass er sein Selbst verliert.

Es wäre aber falsch, den Energieräuber als schlechten Menschen und den Geber als guten Menschen zu etikettieren. Der Energieräuber ist aus seiner Geschichte heraus zu sehr auf sich selbst bezogen und eigentlich noch nicht reif für eine Partnerschaft.  Idealerweise müsste er seine Defizite in einer Psychotherapie aufarbeiten. Aber auch der Gebertyp hat seine Schwächen. Weil er geliebt werden möchte, neigt er zu Ueberanpassung und nimmt seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche zu wenig ernst. Er muss lernen, auch zu einem geliebten Menschen manchmal deutlich nein zu sagen und wagen, andere auch einmal zu enttäuschen, auch wenn dies zu Konflikten führt.

 

Tipps für Energiespender

  • achte darauf, ob Dich eine Beziehung auf die Dauer bereichert und belebt oder ermüdet und stresst
  • wenn Dich die Beziehung ermüdet, prüfe, ob Geben und Nehmen ausgeglichen sind
  • wenn Du mehr gibst, als Du bekommst, hast Du es mit einem Energieräuber zu tun
  • jetzt hilft nur klare Abgrenzung: Distanziere Dich von den Forderungen, Wünschen und Problemen des Energieräubers. Er oder sie muss sich selber helfen
  • sage öfter nein als ja, der Energieräuber erträgt dies besser als Du denkst.
  • achte auf Deine Gefühle des Ausgelaugt seins, der Ermüdung und teile dies dem Partner, der Partnerin deutlich aber sachlich und ohne Vorwurf mit

 

Buchtipp

Roos, Ingalill (2014): Energieräuber in der Familie, Beziehung und Job erkennen und abwehren. Freiburg: Kreuz Verlag