Shiatsu Therapeut löst Blockaden am Bein einer Patientin

Die Shiatsu-Therapie versteht den Menschen als eine Einheit von Körper, Seele und Geist. Angewendet wird Shiatsu bei Beschwerden, nach Krankheit und Unfall, damit die Selbstregulierungskräfte des Körpers gestärkt werden. Unsere Autorin kennt die Therapie aus eigener Erfahrung.

Zum Shiatsu kam ich zufällig – ich erhielt eine Therapiestunde geschenkt. Das war vor fünf Jahren. Ich erinnere mich an das Gefühl nach der ersten Anwendung: Der Körper schien leichter zu sein. Seither gehe ich regelmässig so alle zwei Wochen zur Zürcher Shiatsu-Therapeutin Anna Goetsch.

Der japanische Begriff Shiatsu bedeutet wörtlich übersetzt «Finger-Druck». Der Druck, mit dem Spannungen gelöst werden, geht von sanft bis insistierend. «Ich setze Veränderungsprozesse auf körperlicher und seelischer Ebene in Gang», umschreibt Anna Goetsch das Ziel der Therapie. Auf einem Bild an der Wand sind die Meridiane im Körper eingezeichnet – gemäss chinesischer Medizin die Bahnen, durch welche die Energieströme verlaufen. Shiatsu löst Blockaden und unterstützt den Energiefluss. Im Westen wurde die reine Anwendung mit Aspekten der Gesundheitsförderung und Lebensführung weiterentwickelt. Im Zentrum steht ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis.

Shiatsu hat mir gegen Migräne geholfen

Zu jeder Therapieeinheit gehören ein Vor- und ein Nachgespräch, damit die Therapeutin Beschwerden gezielt behandeln und die Entwicklung verfolgen kann. Dann liege ich im stillen Raum, in dem nichts den Blick ablenkt, auf einem Futon und «lasse geschehen». Behandelt hat die Therapeutin bei mir anfangs vor allem Nackenschmerzen – eine Berufskrankheit. Nach und nach löste sie die verkrampften Muskeln, heute sind die Schmerzen seltener und viel weniger stark.

Positiv wirkte sich Shiatsu auch auf die Migräne aus, unter der ich früher etwa einmal monatlich litt. Seit einiger Zeit habe ich keine Migräne mehr und auch seltener Kopfweh.

Shiatsu bezieht sich auf den ganzen Körper

Zwar konzentriert sich die Therapeutin auf einzelne Beschwerden, doch die Behandlung ist immer auf den ganzen Körper bezogen. Shiatsu wird vor allem bei chronischen, aber auch akuten Störungen als Behandlung eingesetzt: von Verspannungsschmerzen bis zur Linderung von Unfallfolgen. Behandelt werden auch Schlaf- und Verdauungsstörungen, Erschöpfung und Stresssymptome. Ausserdem fördert die Therapie die Genesung nach schweren Krankheiten oder Operationen. Die Therapeutin wendet Techniken wie Daumendruck, Anlehnen, Dehnungen und Gelenkrotation auch mit Einsatz von Ellbogen und Knien an – in einer fliessenden Bewegung. «Ich löse Verspannungen, lockere Muskeln und mobilisiere die Lebensfunktionen und den freien Fluss der Lebenskraft», erklärt sie.

Shiatsu ist eine der siebzehn anerkannten Methoden der Komplementärtherapie. Unterdessen kann die Ausbildung mit der eidgenössisch anerkannten höheren Fachprüfung abgeschlossen werden. Anna Goetsch schloss 2013 als Vorstufe das Branchendiplom Komplementärtherapeutin ab, das unterdessen 189 Shiatsu-Therapeutinnen und -Therapeuten erworben haben. «Ein anerkannter Abschluss ist mir wichtig, auch als Sicherheit für die Zukunft», betont sie. Für ihren heutigen Beruf absolvierte die dreifache Mutter eine berufsbegleitende vierjährige Ausbildung. Für die ehemalige Eventmanagerin bedeutete dies eine völlige Neuorientierung. Das Interesse für Shiatsu hatte eine Freundin geweckt, von der sie sich behandeln liess. «Ich war so überzeugt, dass ich die Ausbildung begann», erzählt sie. Zuerst sei es nur persönliches Interesse gewesen. Doch die Thematik fesselte sie immer mehr, sodass sie zu Berufung wurde. «Die Arbeit stimmt für mich rundum», sagt sie.

Unterschiedliche Krankheitsbilder, Unfallfolgen und chronischen Beschwerden

Die eigene Praxis eröffnete sie 2008, heute hat sie einen Kundenstamm von rund 150 Personen. Der Beruf ist anspruchsvoll und mit grosser Verantwortung verbunden. «Ich bin mit unterschiedlichen Krankheitsbildern, Unfallfolgen und chronischen Beschwerden konfrontiert und brauche deshalb auch ein breites medizinisches Wissen», betont AnnaGoetsch. Bei Erkrankungen und Unfällen gehe es auch darum, die Arbeitsfähigkeit wiederzuerlangen, auch in Zusammenarbeit mit Ärzten.

Wie breit die Methode angewendet werden kann, zeigte in meinem Fall der Heilungsprozess nach einem Handbruch. Der komplizierte Bruch musste operiert werden. Während der Rekonvaleszenz half mir Shiatsu bei der Aktivierung und der Schmerzlinderung. Die ganzheitliche Behandlung wirkte nachhaltiger als die kurzen Physiotherapieeinsätze im Spital. Denn sie war nicht nur auf die Funktionsfähigkeit der Hand ausgerichtet, sondern ebenso auf Schmerzlinderung und seelische Unterstützung nach dem Unfallschock. Deshalb verschrieb die Hausärztin zwei Zyklen mit einer Therapiestunde pro Woche. Drei Monate nach dem Unfall konnte ich meine Arbeit als Journalistin wieder vollumfänglich aufnehmen.

 

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