Sportler aufgepasst - Kinesio-Taping als Schmerztherapie

Kein grosses Sportevent geht mehr vorüber, ohne dass man an den Athleten bunte Pflaster kleben sieht. Von einem Trend kann kaum noch die Rede sein, da wir uns an die bunten Streifen längst gewöhnt haben. Trotzdem fragen sich viele immer noch, was es mit den Tapes auf sich hat. Möchten Sie die Schmerztherapie des 21. Jahrhunderts auch genauer kennenlernen? Dann erfahren Sie hier mehr über das Kinesio-Taping, dessen Wirkung und Anwendungsgebiete.

Kinesio-Taping beim Therapeuten

 

Warum Kinesio-Taping?

Es ist eigentlich fast zu simpel um es zu glauben, aber hinter der Kinesio-Taping Therapie verbirgt sich eine einfache und sehr effiziente Wirkungsweise. Eine herkömmliche manuelle Behandlung bei Verletzungen, Muskelverspannungen oder Entzündungen dauert in der Regel nicht länger als eine Stunde pro Tag. Wird die Haut mit dem Kinesio-Taping festgeklebt, therapieren Sie sich 24 Stunden. Das zahlt sich aus.

Woher stammt das Kinesio-Taping?

Die Ursprünge des Kinesio-Tapings stammen aus der japanischen Heilkunde. Mittlerweile ist es nicht nur ein Teil des Spitzensports, sondern kommt in zahlreichen physiotherapeutischen Praxen, als wäre es schon immer da gewesen, alltäglich zum Einsatz. Der japanische Arzt und Chiropraktiker Dr. Kenzo Kase hat vor etwa 30 Jahren die Kinesio-Taping Methode (auch Medi-Taping genannt) entwickelt. Sein Ziel war es, dem Klienten seine Hände mit nach Hause zu geben und den körpereigenen Heilungsprozess des Menschen zu nutzen, um Beschwerden so schnell und effektiv wie möglich zu lindern. Daher entwickelte er ein hochelastisches, atmungsaktives und dazu hautfreundliches Tape-Material und dessen Anwendungstechnik. Dabei war es Dr. Kase besonders wichtig, dass das Tape die Bewegungsfreiheit seines Klienten nicht einschränkt. Denn werden Muskeln nicht mehr belastet, bilden sie sich zurück. Nach der Behandlung mit den klassischen, starren Tapes müssen diese wiederum ganz neu aufgebaut werden, was vor allem für Profisportler eine längere Auszeit bedeuten kann. Ausserdem kann es durch zu wenig Bewegungsfreiheit der Muskeln zu Stauungen im Blut- und Lymphsystem kommen und der Heilungseffekt wird verlangsamt. Elastisches Tape hingegen regt den Stoffwechsel an und erzielt eine schmerzlindernde Wirkung. Mit dieser Entwicklung gelang es dem Arzt eine bahnbrechende Therapiemethode, vor allem für die Sportszene, zu entwickeln.

Wem hilft Kinesio-Taping?

Mithilfe des Kinesio-Tapes lassen sich unterschiedliche, oft schmerzhafte, Erkrankungen an den Muskeln, Sehnen und am Skelettapparat lindern. Anwendungsbereiche sind unter anderem:

  • Schmerzen am Bewegungsapparat (z.B. durch Schleudertrauma)
  • Beschwerden am Knie-, Sprung- oder Schultergelenk
  • Verspannungen (z.B. im Rücken oder Nacken)
  • Tennisarm
  • muskuläre Verletzungen (z.B. Muskelfaserriss)
  • Entzündungen (z.B. Achillessehnenreizung)
  • präventive Massnahme gegen Krämpfe (z.B. vor einem Marathonlauf)

Welche Besonderheiten hat das Kinesio-Tape?

Das Kinesio-Tape ist nicht nur elastisch, sondern auch wasserbeständig, schweissdurchlässig und hat eine Eigenspannung von etwa 10 Prozent, die nach Bedarf bis auf 100 Prozent ausgedehnt werden kann. Wiederum lässt es sich problemlos von der Haut lösen, beziehungsweise abrollen. 

Wie funktioniert Kinesio-Taping?

Die Wirkung von Kinesio-Tape ist zwar noch nicht ausreichend wissenschaftlich belegt, doch die verbreitete Anwendung und reichlich praktische Erfahrung sprechen klar für die Behandlung. Bevor das Kinesio-Tape geklebt wird, testet der Therapeut die Schmerzzone und die dazugehörenden Hautareale. Es ist durchaus möglich, dass ein Tape nicht dort geklebt wird, wo der lokale Schmerz oder die Bewegungseinschränkung zu finden ist. Manchmal wird es etwas entfernt davon, in einem korrespondierenden Areal, angeheftet. Die Patienten, ob sie nun über chronische oder über akute Beschwerden klagen, zeigen oftmals typische Untersuchungsmuster. Ihre Bewegungsfähigkeit ist meist (schmerzhaft) verringert und häufig klagen die Klienten über ausstrahlende Schmerzen. Nicht selten sprechen viele auch über unangenehme Verspannungen.

Nachdem die Klebezone vom Therapeuten festgelegt wurde, wird das Tape immer in Vordehnung aufgetragen. Wenn der Körperteil danach wieder in die entspannte Ausgangsposition gebracht wird, entsteht automatisch eine Faltenbildung. Diese Faltenbildung ist wichtig. Denn sie „therapiert“ den Körper, indem die Durchblutung (Vaskularisation) angeregt wird. Eine gute oder erleichterte Durchblutung fördert die Genesung und die Regeneration des Gewebes massgeblich. Durch die Elastizität des Tapes wird das Hautareal bei jeder Bewegung sanft massiert. So kann nicht nur der Blut- sondern auch der Lymphfluss angeregt werden und Entzündungen heilen schneller ab. Automatisch werden die Beweglichkeit und die Belastbarkeit in kurzer Zeit verbessert.

Kinesio-Taping gehört in erfahrende Hände

Durch die eben beschriebene Dehnung, die das Tape haben sollte, sowie die genaue Bestimmung der Klebestelle, rate ich von einer Selbstbehandlung ab. Selbst wenn Sie wissen, welches Hautareal geklebt werden muss, verdrehen Sie Ihren Körper bei der Anheftung meist so sehr, dass der Effekt durch eine falsche Anwendung ausbleibt. Gelernte und erfahrende Kinesio-Taping Therapeuten kennen zum einen die genaue Anatomie des Menschen und zudem erfassen Sie funktionelle Zusammenhänge, sodass den Gründen für die Beschwerde auf den Grund gegangen werden kann und nicht nur kurzzeitig oder gar keine Verbesserung zu spüren ist.

Der Effekt des Kinesio-Tapings

Bereits nach kurzer Zeit sollte der Klient durch eine Kinesio-Taping Behandlung erste Besserungen verspüren. Doch wie lässt sich die rasche Schmerzfreiheit bei dieser Behandlung erklären? Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass die Nervenenden der Haut durch den Kontakt zum Kinesio-Tape, die dünnen Schmerzfasern der Muskulatur hemmen. Akute Schmerzen wie Hexenschuss, Prellungen oder Schleudertrauma können so umgehend schmerzfreier werden.

Warum so viele Farben?

Wer Kinesio-Tape schon einmal gesehen hat, wundert sich meist über die grosse Farbvariation: Weiss, Beige, Türkis, Pink oder Lindengrün, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Doch grundsätzlich haben die Farben keine besondere Bedeutung für den Erfolg einer Behandlung. Auch wenn spekuliert wird: Je heller die Farbe, desto weniger gut entwickelt sich der Acrylkleber, welcher durch die Körperwärme aktiviert wird. Was bedeutet, dass das Tape weniger lange auf der Haut kleben bleibt. Normalerweise geht man von einer Tragedauer zwischen drei bis sieben Tagen aus. Aber wenn einem Klienten die Farben gemäss der Farbtherapie wichtig sind, dann wähle ich die Farbe nach diesem Aspekt aus. Man kann auch argumentieren, dass rot oder pink eher aktivierend wirken, die Farbe türkis eher beruhigt und weiss oder beige eher neutral wirken.

Es erstaunt auch mich immer wieder von Neuem, wenn ich in die Gesichter meiner Klienten schaue und auf Anhieb sehe, wie viel besser sie sich gleich fühlen und wie erstaunt sie sind, dass es dafür nicht mehr als ein Kinesio-Tape gebraucht hat. 

 

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