Was ein Coaching ist – und was es Ihnen bringt

Ein Coach und sein Coachee befinden sich in der Natur un studieren gemeinsam Unterlagen.

Coaching ist in Mode.

Jedoch ist es schwer zu definieren, was ein Coaching ist.

Hinzu kommt: der Begriff wird immer inflationärer verwendet. Dadurch wird unklar, was denn eigentlich in einem Coaching passiert.

Das klassische Merkmal von Coaching: Reflektion durch äussere Impulse

Ein extrem wichtiges Erkennungsmerkmal eines Coachs ist seine Neutralität:

Der Coachee (die gecoachte Person) soll die Lösung für sein Problem selbst finden.

Der Coach unterstützt bei der Lösungsfindung, trifft aber keine Entscheidung für den Coachee. 

Sie kennen sicher folgende Situation: Sie haben eine wichtige Entscheidung zu treffen. Aber alle Handlungsoptionen haben ihr Für und Wieder. Es gibt nicht DIE richtige Entscheidung. Trotzdem muss irgendein Entschluss getroffen werden. In so einer Situation hilft es, mit einem guten Freund, einem Kollegen oder einem Verwandten zu reden. Oft ist es nicht der Ratschlag dieser Person, der bei der Entscheidung hilft. Es ist eher das Gespräch selbst. 

Ein Gesprächspartner, der passende Fragen stellt, hilft einem das Problem von allen Seiten zu betrachten. Er stellt Fragen, die einem in einer verzwickten Lage gar nicht mehr selbst einfallen.

Man sagt nicht umsonst, dass man bei einer Problematik "den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht". In einer kniffligen Situation braucht unser Gehirn äussere Impulse, um aus seinen eingefahrenen Denkabläufen gerissen zu werden. 

Diese Impulse gibt ein Coaching. 

Reflektion ohne Beeinflussung

Der entscheidende Unterschied zwischen einem Coaching und einem Gespräch mit einem Freund ist: der Coach hat gelernt, wie er Ihnen helfen kann, ohne Sie zu beeinflussen.

Lebensziele, ethische Glaubenssätze und Fähigkeiten sind bei jedem Menschen verschieden. Was die absolut richtige Entscheidung für den Coach ist, kann die komplett falsche für Sie als Coachee sein.

Das ist der Grund, warum man selbst die Lösung für ein Problem finden muss. Das ist ein Kernelement, das ein Coaching ausmacht. Nur so handelt es sich um die tatsächlich richtige Lösung für einen selbst. 

Daher ist ein Coach ein Sparringpartner, welcher Ihnen eine Möglichkeit zur Reflektion bieten muss, ohne Sie zu beeinflussen. 

Hilfe zur Selbsthilfe

Wer das erste Mal ein Coaching macht, der hat oft noch keine ausgeprägten Fähigkeiten zur Selbstreflektion. Man ist daher auf die Hilfe des Coachs angewiesen, um effektiv die eigene Situation zu beleuchten und zu beurteilen.

Der langfristige Nutzen von Coachings ist, dass Ihre Reflexionsfähigkeiten nachhaltig gesteigert werden.

Sie sollen in die Lage versetzt werden, geistige Blockaden in Zukunft aktiv zu erkennen, zu umgehen und abzubauen. 

Idealerweise sorgt ein Coach also dafür, dass er in Zukunft gar nicht mehr benötigt wird - oder zumindest nur noch in besonders anspruchsvollen Situationen. 

Vertrauen und Sympathie sind die Basis für ein effektives Coaching

Die Grundlage für ein erfolgreiches Coaching ist: der Coachee muss sich dem Coach gegenüber bedingungslos öffnen können. Absolute Grundlage dazu ist die Verschwiegenheit des Coaches bezüglich der besprochenen Inhalte. 

Zum anderen ist Sympathie zwischen Coach und Coachee sehr hilfreich.

Menschen fühlen sich bei Personen gut aufgehoben, die ihnen ähnlich sind. Das gilt besonders, wenn der Coach bereits Herausforderungen bestanden hat, die der Coachee im Moment selbst lösen will. 

Der Coach wiederum kann besser helfen, wenn er seinen Coachee versteht.

Viele Anbieter sind gerade deswegen Coach geworden, weil sie selbst eine schwierige Lebensphase durchlebten und nun mit ihren Erfahrungen Menschen in ähnlichen Situationen helfen wollen. Wer Coachings für mehr Glück im Leben anbietet, hat wahrscheinlich selbst bereits eine sehr unglückliche Lebensphase gemeistert, die ihn geprägt hat. 

Entscheidungshilfe in kritischen Situationen

Grundsätzlich kann ein Coaching immer dann helfen, wenn man vor einer schwierigen und wichtigen Wahl steht. 

Beispielsweise kann das die Entscheidung über einen Berufswechsel sein. Ein Coaching hilft, verschiedene Entscheidungskriterien miteinander abzuwägen.

Es soll exakt die Entscheidung getroffen werden, bei der man mit sich selbst im Reinen ist.

Das ist gar nicht so einfach: die Meinung von Familie, Freunden und Gesellschaft können unterbewusst einen starken Druck ausüben. Das eigene Denken wird dadurch vernebelt. Was man selbst wünscht und was in Wirklichkeit der Wille des Umfelds ist, kann schwer zu unterschieden sein. Ein Coaching unterstützt bei diesem Differenzierungsprozess. 

Aber auch bei der Einarbeitung in neue private oder berufliche Anforderungen macht ein Coaching Sinn. 

Neue Führungskräfte, aber teils auch nichtleitende Mitarbeiter, bekommen in Unternehmen oft einen Coach zur Seite gestellt. Dieser soll dabei helfen, sich in neue Rollen einzufinden und mit neuen Kommunikations- und Arbeitsstrukturen zurecht zu kommen. Gerade falls das neue Unternehmen eine sehr unterschiedliche Philosophie und Kultur im Vergleich zum Alten hatte, kann ein Coach Reibungsschwierigkeiten abfangen. 

Erste Massnahme, wenn Geist und Körper aus der Balance geraten

Nützlich ist ein Coaching auch dann, wenn man fühlt das "irgendetwas nicht stimmt" - man aber gar nicht weiss, was genau eigentlich. Typisch ist das Klischee des ausgebrannten Managers im grossen Konzern, der sich fragt: ist das alles was mein Leben zu bieten hat?

Aber auch ein ständiges Gefühl von Leere und Antriebslosigkeit können Punkte sein, die Menschen in ein Coaching treiben.

Beides sind erste Anzeichen für eine Depression oder ein Burnout.

Beide Krankheiten können durch rechtzeitiges Erkennen der Ursachen meistens abgewandt werden. Ein frühzeitiges Coaching kann umfassendere medizinische Massnahmen unnötig machen. 

Coaching hilft dabei zu erkennen, was man selbst vom Leben will

Desto stärker man in äussere Strukturen eingebunden ist, desto schwieriger wird es zu erkennen, was man selbst eigentlich will.

Bereits in der Erziehung werden wir dazu trainiert, uns gesellschaftskonform zu verhalten und auf ein "sinnvolles" Lebensziel hinzuarbeiten.

Insbesondere das Elternhaus hat hierbei einen grossen Einfluss.

Unsere Eltern könnten uns beispielsweise vorgelebt haben, dass berufliche Sicherheit, ein grosses Haus oder gesellschaftliche Anerkennung wünschenswerte Ziele sind. Manche Menschen rebellieren gegen die Ziele ihrer Eltern und führen gerade deswegen ein komplett anderes Leben. Andere akzeptieren und verinnerlichen die elterlichen Anschauungen.

Beide Reaktionen sind zunächst nicht verwerflich.

Wenn die resultierenden, verinnerlichten Lebensziele aber nicht das sind, nach dem wir uns persönlich sehnen, dann führt das zu einem unglücklichen Leben.

Wer sich über Jahrzehnte hinweg dazu trainiert hat, seine eigenen wahren Bedürfnisse und Gefühle zu unterdrücken, der kommt schwierig aus diesem Trott heraus. 

Ein Coach kann dabei helfen, aus dem Hamsterrad auszubrechen und sein eigenes Inneres zu erforschen. 

Lösung von Konflikten & Verbesserung sozialer Kompetenzen

Auch bei Problemen im privaten Umfeld werden Coachings eingesetzt. Dabei kann der Coach sowohl in Einzel, als auch Paar- oder Gruppengesprächen dabei helfen, Ursachen für Konflikte zu erkennen und zu beseitigen.

Coaching kann aber auch ansetzen, ohne das ein konkreter Konflikt existiert. Zum Bespiel kann es dabei helfen Selbstbewusstsein zu stärken oder soziale Kompetenzen auszubauen.  

Viele Menschen fühlen sich in sozialen Konfliktsituationen überfordert. Sei das bei Konflikten mit Kollegen, dem Chef und im Privatleben, oder in Konflikt- und Verhandlungssituationen. Coachings helfen entspannter, gelassener, spontaner, selbstbewusster und schlagfertiger aufzutreten. 

Die Grenzen zu Training & Beratung sind fliessend

In der Theorie ist ein Coaching klar von einer Beratung oder einem Training abgrenzbar. In der Praxis ist das nicht mehr so einfach. 

Ein Training arbeitet praktisch und direkt an der Verbesserung bestimmter Fähigkeiten. Beispiele sind eine Yogaübungsstunde oder eine logopädisches Stimmtraining.

Die Beratung gibt konkrete Informationen und Handlungsempfehlungen aus der Erfahrung eines Fachmannes. Ein Gespräch mit einem Arzt oder einem Diätberater sind typische Fälle.  

Oft verschwimmen die Grenzen von Training und Beratung zum Coaching jedoch.

Beispiel: ein klassischer Ernährungsberater legt seinen Fokus auf eine Beratung - wie der Name bereits sagt. Jedoch gibt es beim Thema Ernährung viele konkurrierende Ansichten und Methoden. Zudem ist die ideale Ernährung etwas hochindividuelles. Sie muss Voraussetzungen, Ziele und Vorlieben einer Person berücksichtigen.

Daher wird ein guter Ernährungsberater auch mit Methoden aus dem Coaching arbeiten, um den Klienten den richtigen Weg für sich selbst finden zu lassen. Gleichzeitig müssen aber auch beratende Elemente genutzt werden, um mithilfe von Fachwissen, Lösungen in sinnvolle Bahnen zu lenken.

Dasselbe gilt für andere beratende Professionen.

Vor der Verbreitung moderner Kommunikationsmethoden, besonders des Internets, war Wissen noch stark in den einzelnen Professionen konzentriert. Ärzte, Anwälte und Psychologen sind typische Beispiele. Bei ihnen handelt es sich um sehr fundamentale Berufe.

Informationen sickerten nur in geringen Umfang aus den Fachkreisen heraus.

Daher konnte man als Hilfesuchender auch wenig selbst bei einer Entscheidung mitreden. Man musste sich auf das Können der Fachperson verlassen.

Doch heute ist das anders: Informationen fliessen frei in der Gesellschaft. Das geht in erster Linie auf die Verbreitung des Internets zurück.

Die Folge ist, dass viele klassische, beratende Professionen immer mehr zu Coaches werden. Auf diese Weise werden sie dem zunehmenden Wissensschatz ihrer Klienten gerecht, die eigene Strategien zur Problembearbeitung einbringen können. 

Umgekehrt setzen klassische Coaches aber auch manchmal Elemente aus Training und Beratung ein. Auf diese Weise kann eine Situation nicht nur analysiert, sondern direkt passende Skills trainiert und ergänzendes Wissen erworben werden. Man muss aber dazu sagen, dass dieses Vorgehen von manchen Coaches kritisch betrachtet wird. Manche sehen es als richtig an, wenn Probleme des Coachees so besser gelöst werden können. Andere sehen dadurch die neutrale Reflektionsfunktion des Coaches zu stark verletzt.

Wo Coaching drauf steht ist nicht immer Coaching drin

Da die Grenzen zu Training und Beratung so schwierig zu ziehen sind, stehen viele Fachpersonen vor einem Dilemma: wie nennen sie nun ihre Dienstleistung?

Coaching?

Training?

Oder doch lieber Beratung?

Die meisten entscheiden sich für Coaching - klingt einfach hipper und moderner.

Das kann aber dazu führen, dass jemand, der eigentlich eher ein Berater oder Trainer ist, Unklarheiten schafft. Wenn Ihnen wichtig ist, ein klassisches Coaching zu erhalten, sollten Sie diesbezüglich vorab nachhaken. 

Die Qualifikationsunterschiede sind riesig

Es gibt in der Schweiz eine unglaubliche Menge an Ausbildungen für Coachs.

Sehr viele Menschen fühlen sich vom Berufsbild des Coaches angesprochen.

Viele davon haben selbst eine Lebenskrise überwunden und wollen nun anderen dabei helfen, das Gleiche zu schaffen.

Manche Ausbildungen sind anspruchsvoll, andere halten nicht immer das, was sie vorab versprechen.

Für den Laien ist es praktisch unmöglich in diesem Ausbildungs-Dschungel zu entscheiden, wie gut denn nun die Qualifikation eines Coachs ist. Selbst Experten auf dem Markt haben Schwierigkeiten, die Kompetenz ihrer Kollegen zu beurteilen.

Erstes Kriterium sollte immer sein: wurde überhaupt eine Coaching-Ausbildung absolviert?

Viele Anbieter scheiden da tatsächlich bereits aus.

Das heisst nicht zwangsläufig, dass diese Personen keine Hilfe sein können. Die Gefahr auf einen „Scharlatan“ hereinzufallen ist aber dann besonders gross. Zudem wird es sich vermutlich nicht um ein klassisches, neutrales Coaching handeln, sondern es wird auch Training und Beratung mit eingemischt sein.

Wenn eine Coaching-Ausbildung absolviert wurde, sollte nach Länge und Umfang gefragt werden. Über den Namen des auszubildenden Instituts können diese Angaben auch im Internet überprüft werden.

Erfahrungen im konkreten Problembereich sind wichtig

Ausserdem sollte der Coach Erfahrung und Ausbildung aus dem Bereich mitbringen, in dem Sie sich Hilfe suchen wollen.

Wollen Sie Unterstützung bei der Entscheidungsfindung bezüglich ihrer Lebensplanung - mit Fokus auf Ihre berufliche Zukunft? Dann sollten Sie zu einem Coach gehen, der bereits vor ähnlichen Entscheidungen gestanden hat - vielleicht sogar in ähnlichen Berufsumfeldern gearbeitet hat. 

Wenn Ihr Coaching sich dagegen um gesundheitliche und psychische Aspekte drehen soll, sollten Erfahrungen mit diesen Punkten aus der Vita und den Ausbildungen der Fachperson hervorgehen. 

Generalisten: umfassende Hilfe aus der Vogelperspektive

Bei Coachs lässt sich die Parallele zu Ärzten ziehen:

Es gibt zum einen die Generalisten, die wie der Hausarzt der Ansprechpartner für alles sind. Sie haben von allem etwas Ahnung, aber von nichts so richtig.

Ein Generalist ist dann sinnvoll, wenn man selbst gar nicht so genau weiss, wo der Schuh drückt - aber er drückt halt.

Der Generalist kann einem helfen, sich umfassend über die eigene Situation klar zu werden. 

Spezialisten: wenn man sein Problem bereits identifizieren kann

Für die konkreteren Anliegen gibt es die Spezialisten. Wie Fachärzte, haben sich auch viele Coachs auf ein Thema spezialisiert.

Diese Anbieter haben einen Laserfokus auf dieses eine Gebiet.

Beispiele sind Verhandlungscoaches, Kommunikationscoaches oder Businesscoaches. Das sind sogar noch allgemeinere Varianten, praktisch für jedes Problem kann es auch einen spezialisierten Coach geben. 

Spezialisiertere Anbieter mischen meist Trainingselemente und Beratung in ihre Dienstleistung ein. Durch ihren hohen Fokus ist ihre Neutralität ohnehin untergraben. Gleichzeitig profitiert der Kunde durch den hohen Erfahrungsschatz des Anbieters. 

Desto stärker ein Coach spezialisiert ist, desto besser kann er einem bei einem ganz konkreten Problem helfen – dafür ist er unzureichender bei anderen Themen. 

Ein Spezialist macht immer dann Sinn, wenn man bereits weiss wo das Problem liegt. So wie man mit einer Allergie zum Facharzt für Allergologie gehen würde.

Wenn Sie aus diesem Artikel eine Sache mitnehmen, dann ist das Folgendes: ein Coaching macht immer dann Sinn, wenn Sie in einer schwierigen Situation oder Entscheidung feststecken. 

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