Conny Matas – Kunsttherapeutin bei Burnout und Depression

Ob Depression oder Burnout - seit fünf Jahren hilft die diplomierte Kunsttherapeutin Conny Matas Menschen dabei, sich wieder spüren zu können und durch kreativen Ausdruck zu sich selbst und ihren Bedürfnissen zu finden. Coachfrog hat mit der ambitionierten Therapeutin über Kunst als heilvolles Mittel gesprochen und erfahren, wie Sie selbst aus einer Lebenskrise heraus ihre Berufung entdeckte.

Frau Matas, mit welcher Beschwerde kann man zu Ihnen kommen?

Grundsätzlich mit allen. Meine Patienten sind überwiegend Menschen, die eine Beschwerde psychischer Natur mitbringen. Es sind aber auch Menschen, die nicht spezifisch eine „Diagnose“ haben, sondern nach Veränderung in ihrem Leben und individueller Persönlichkeitsentwicklung streben. Kontraindiziert ist nur die akute Psychose, da diese Menschen bereits mit inneren Bildern überflutet werden. Mein Fachbereich ist die ambulante Kunsttherapie, daher arbeite ich nicht mit Menschen, die sich in einer sogenannten akuten psychischen Krise befinden und akut suizidal sind. In diesen Fällen überweise ich die Patienten an einen entsprechenden Facharzt, der eine intensivere Betreuung gewährleisten oder in die Wege leiten kann.

Kunst liegt zwar im Auge des Betrachters, aber sollte man trotzdem Vorkenntnisse oder besondere kreative Fähigkeiten mitbringen, damit die Kunsttherapie sinnvoll ist?

Man muss über keinerlei gestalterische Vorkenntnisse verfügen, um eine Kunsttherapie zu beginnen. Wichtig ist Motivation und Offenheit, etwas Neues auszuprobieren.

Wie kamen Sie darauf die Mal- und Gestaltungstherapie zu Ihrer Berufung zu machen?

Kreativität war mir schon immer wichtig. Zeichnen, malen und Gedichte schreiben war für mich bereits als Jugendliche eine Möglichkeit, mit meinen Sorgen und Ängsten umzugehen. Ohne dass es mir bewusst war, konnte ich so meine eigene Welt gestalten, und nutzte Kunst bereits als Ventil. Aufgrund von einer psychischen Krise mit Anfang 20 habe ich angefangen mich für Psychologie und Spiritualität zu interessieren. Einige Jahre später ist mir der Beruf der Mal- und Gestaltungstherapeutin quasi über den Weg gelaufen. Die Verbindung von Kunst und Psychologie entspricht exakt meinen Fähigkeiten und Bedürfnissen. Man könnte sagen, ich habe den Ruf gehört und bin ihm gefolgt.

Welche Ziele verfolgt die Kunsttherapie, speziell bei Menschen mit Depressionen oder Burnout?

Es ist wichtig, diese beiden Störungsbilder zu unterscheiden. Menschen mit Depression befinden sich zu Beginn der Krankheit in einer anderen psychischen Verfassung als Burnout-Patienten, zumal verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt sind diese beiden Störungen in den Symptomen kaum mehr zu unterscheiden. Burnout-Patienten haben ein starkes Autonomiebedürfnis, und haben auch Gefühle der Aggression. Diese Symptome fehlen bei Depression gänzlich. Im Gegenteil - depressive Menschen sind oft unfähig, Wut zu empfinden. Jedoch ist Depression bei Burnout-Patienten oft auch ein Thema. Deshalb kann es vorkommen, dass Depression und Burnout für das Gleiche gehalten oder verwechselt werden.

Hilft die Kunsttherapie dadurch eher bei Burnout oder Depression?

Kunsttherapie eignet sich für beide Patientengruppen. Denn es geht hier vordergründig darum, sich wieder spüren zu können. Im Kontakt mit Material ist das einfacher möglich. Das taktil-haptische Arbeiten mit z.B. Ton können wir eben dazu nutzen. Auch das Ausdrücken von Gefühlen, Wünschen, Ängsten und Sorgen kann im gestalterischen Arbeiten viel leichter fallen als verbal. In der Depression geht es oft um das ausharren, aushalten, blockiert sein. Nichts geht mehr. In der kunsttherapeutischen Arbeit kann aber etwas kreiert werden, wenn manchmal nur etwas ganz Kleines. Aber es kann etwas entstehen. Das ist im Alltag von depressiven Menschen ein eher seltenes Erleben und daher sehr wertvoll. Bei Burnout-Patienten geht es vorrangig um das (wieder-)erlernen von Selbstregulation, auch hier eignen sich kunsttherapeutische Mittel hervorragend.

Erinnern Sie sich noch an ein besonders erinnerungswürdiges Erlebnis während einer Therapiesitzung?

Ich glaube „würdig“ sind sie alle. Die berührendsten Momente für mich sind, wenn für den Patienten ein Prozess erlebbar wird. Wenn der Mensch sich zu ändern vermag, dann ändert sich auch seine Sicht auf die Dinge und die Welt. Wenn der Patient etwas in sich (er-)lösen kann, wenn er erkennt - dann habe ich meine Arbeit gut gemacht.

 

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