Alles was Sie über Psychotherapie wissen sollten

Frau nimmt Psychotherapie in Anspruch

Lange Zeit durfte sich jeder selbst zum Psychiater ernennen oder eine Psychotherapie anbieten. Seit 2013 schützt das Psychologieberufegesetz immerhin die Titel in der Psychologie. Doch das konfuse Wirrwarr um die korrekte Berufsbezeichnung nimmt damit leider kein Ende.

Häufig kommt es vor, dass Bezeichnungen wie “Psychiater”, „Psychotherapeut“, “Psychologe” oder „Berater“ fälschlicherweise als Synonym verwendet werden. Vor allem bei der Suche nach der richtigen Psychotherapie ist es wichtig zu unterscheiden, wer therapieren, delegieren oder lediglich beraten darf.

Was sich hinter dem Begriff Psychotherapie verbirgt, wer sich Psychiater oder Therapeut nennen darf, welche verschiedenen Methoden es in der Psychotherapie gibt und welche Kosten die Grundversorgung übernimmt, habe ich deshalb für Sie genauer unter die Lupe genommen.

 

Was ist Psychotherapie?

Das Wort Psychotherapie bedeutet wörtlich übersetzt „die Behandlung der Seele“ oder „die Behandlung von seelischen Problemen.“ Die Psychotherapie behandelt demnach gezielt psychische Störungen, die einen Krankheitswert haben.

Mithilfe verschiedener, psychologischer Methoden, versucht die Psychotherapie Störungen des Denkens, Fühlens, Erlebens und Handelns zu behandeln.

Wissenschaftlich wird die Psychotherapie als ein geplanter und kontrollierter Behandlungsprozess definiert. Der Psychotherapeut wendet dabei anlernbare Techniken an, um psychische Störungen zu behandeln.

Zu den meisten Störungen, die eine professionelle Psychotherapie benötigen, gehören: Depressionen, Ängste, Essstörungen, Zwänge, Süchte oder Verhaltensstörungen (vor allem bei Kindern und Jugendlichen). Die Symptome dieser Störungen können sehr vielfältig sein. Zu den geläufigsten gehören Ängste, emotionale Leere, Traurigkeit, Gefühlsausbrüche, Zwänge, Suizidgedanken, Impotenz, Ess- und Schlafprobleme, mangelnde Motivation und Antrieb, Suchtverhalten oder Intimitätsangst.

Darüber hinaus wird die Psychotherapie bei psychosomatischen Störungen angewandt. Bei einer Psychosomatik leidet der Patient an seelischen Problemen (Psyche), die auf seinen Körper (Soma) einen gesundheitsgefährdenden Einfluss haben.

 

Wem hilft eine Psychotherapie?

Das Ziel einer Psychotherapie ist eine Veränderung der Lebensgestaltung für Menschen mit psychischen Problemen. Falls Sie also seelische Probleme zu übermannen drohen, Ihrer Gesundheit durch psychischer Last Schaden zufügen oder Konflikte schon eine längere Zeit Ihren Alltag negativ beeinflussen, sollte über eine Psychotherapie nachgedacht werden.

Falls ein Psychiater oder Psychotherapeut aufgesucht wird, sollte dies in der Regel auf dem freien Willen des Patienten erfolgen. Denn für den Erfolg einer psychotherapeutischen Behandlung ist es sehr bedeutsam, dass sich der Patient ernsthaft mit seiner Depression, Sucht oder seinen Ängsten auseinandersetzen möchte.

Angehörige können sich trotzdem über Psychotherapien informieren oder einen Psychiater zu Rate ziehen, auch wenn der Erkrankte noch nicht gewillt ist, eine Therapie zu beginnen. Denn das Verständnis für eine psychische Erkrankung kann sehr hilfreich dabei sein, dem Betroffenen zu unterstützen.                                                                                                         

Eine Psychotherapie findet ambulant statt, wenn der Betroffene sich sowohl körperlich also auch geistig dazu in der Lage fühlt. Patienten mit beispielsweise Suizidgedanken oder Alkohol-Süchtige, werden hingegen stationär therapiert und stabilisiert. Denn es muss ein Mindestmass an Belastbarkeit beim Erkrankten vorhanden sein, um eine ambulante Psychotherapie überhaupt beginnen zu können.

Titel und Psychotherapien im Überblick

Wer sich wie nennen darf, ist nicht immer einfach zu durchschauen. Um den Überblick zu behalten, stelle ich Ihnen die einzelnen Berufsbezeichnungen in der Psychologie genauer vor und kläre, wer eine Psychotherapie anbieten darf.

 

1.) Wer darf sich „Psychologe“ nennen?

Auch wenn sich beide Begriffe sehr ähneln, gibt es einen grundlegenden Unterschied zwischen den Titeln „Psychologe“ und „Psychotherapeut“.

Als Psychologen dürfen sich nur diejenigen bezeichnen, welche an einer schweizerischen Universität oder Fachhochschule, einen Abschluss im Fach Psychologie erworben haben (mindestens Master-, Lizenziats- oder Diplomabschluss).

Falls der Psychologe einen äquivalenten Abschluss im Ausland vorweisen kann, muss die Eidgenössischen Psychologieberufekommission (PsyG) diesen zunächst anerkennen, damit der Titel „Psychologe“ in der Schweiz auch rechtmässig verwendet werden darf.

Ein Psychologe geht in seiner Therapie von der Psychologie aus an psychologische Probleme heran. Das bedeutet, er versucht das menschliches Erleben (z.B. Gedanken oder Gefühle) und das Verhalten seiner Patienten zu beschreiben und aufzuklären. Somit öffnen sich für ihn Wege, ein psychisches Problem zum Positiven zu verändern.

 

2.) Wer trägt den Titel „Psychotherapeut“?

In der gesamten Schweiz ist gesetzlich festgelegt, wer den Titel Psychotherapeut tragen darf. Die kantonale Bewilligung ist Sache der Gesundheitsdirektion des entsprechenden Kantons. Daher ist die Qualität der psychotherapeutischen Versorgung transparenter geworden.

Nach dem Hochschulabschluss hat ein Student der Psychologie, Human- oder Naturwissenschaften die Möglichkeit, sich mithilfe von Weiterbildungen, Titel der Psychologie zu sichern. Diese stehen dann in Verbindung mit dem Titel Psychotherapeut. Wie die Bezeichnung Psychologe, sind sie streng geschützt. Ein Missbrauch der Psychologietitel kann mit einer Busse bis zu 10‘000 Franken in der Schweiz bestraft werden.

Es gibt vier Fachbereiche, in denen sich der Psychologe nach dem Studium weiterbilden und seinen Titel erweitern kann: Beispiele sind Kinder- und Jugendpsychologie, Klinische Psychologie, Neuropsychologie oder Gesundheitspsychologie.

Sobald eine ordentliche Akkreditierung vorliegt, kann der Bund diesen Weiterbildungstitel anerkennen. Auf diesem Weg entstehen Titel wie zum Beispiel “eidgenössisch anerkannte Kinder- und Jugendpsychologin.“ Jeder Psychologe, der sich “eidgenössisch anerkannter Psychotherapeut“ nennt, muss auf jeden Fall einen Weiterbildungstitel erhalten haben.

 

3.) Wer wird „Psychiater“ genannt?

Ein Psychiater ist ein Facharzt für Psychiatrie oder Psychotherapie. Er hat nach seinem Medizinstudium eine psychiatrische Facharztausbildung absolviert und beschäftigt sich insbesondere mit der Diagnose, der Behandlung und der Erforschung von psychischen Erkrankungen oder Störungen.

Im Gegensatz zum (nichtärztlichen) Psychotherapeuten, unterscheidet der Psychiater körperliche Ursachen von scheinbar psychischen Erkrankungen. Als studierter Arzt sind ihm gewisse Gutachten vorbehalten und der Psychiater ist dazu berechtigt Medikamente zu verschreiben. Psychologen oder Psychotherapeuten dürfen dies hingegen nicht. Zudem rechnet ein Psychiater über die Grundversicherung ab.

 

 

Psychologe

Psychotherapeut

Psychiater

Ausbildungsgrad                     

 

Abgeschlossenes Hochschulstudium der Psychologie (mindestens Master-, Lizenziats- oder Diplomabschluss)

Abgeschlossenes Hochschulstudium aus  dem Bereich Human- oder Naturwissenschaften + anerkannte Weiterbildung

Abgeschlossenes Hochschulstudium der Medizin + psychiatrische Facharztausbildung

Berechtigung/

Fachgebiet

Sind berechtigt, psychologische Beratungen anzubieten: z.B. als Schulpsychologen, Berufs- und Laufbahnberater, Werbe-, Organisations-, Verkehrs- oder Gerichtspsychologen

Sind berechtigt Psychotherapien durchzuführen. Behandeln Menschen mit psychischen Problemen, die einen Krankheitswert haben.

Sind berechtigt medizinisch-psychiatrische Behandlungen und ärztliche Psychotherapien durchzuführen. Sind Fachpersonen für schwere, psychische Erkrankungen.

 

 

Durch spezielle Zusatzausbildungen neben dem Studium ist es möglich, dass Psychiater und Psychologen auch Psychotherapeuten sind.

 

 

4.) Woher kommt die Bezeichnung „Delegierter Psychologe“?

Ein Delegierter Psychologe ist in der Schweiz ein Psychotherapeut, der über einen Arzt seine Patienten zu delegiert bekommt. Das bedeutet, der Delegierte Psychologe arbeitet mit einen Psychiater und darf über diesen, seine Behandlung über die Grundversicherung abrechnen.

Denn seine Arbeit im Angestelltenverhältnis ist eine Pflichtleistung der Krankenversicherer. „Die meisten nicht ärztlichen Psychotherapeuten rechnen heute in einer delegierten Therapie über die Grundversicherung ab“, bestätigt der Schweizerische Berufsverband für Angewandte Psychologie (SBAP). Denn nur wenige Psychologen können es sich leisten, ausschliesslich von Patienten zu leben, die ihre Psychotherapie selbst bezahlen.

Selbständig arbeitende Psychologen und Psychotherapeuten können nur von der Krankenkasse unterstützt werden, wenn sie eine kantonale Bewilligung haben, beim FSP-Verband sind und der Patient eine entsprechende Zusatzversicherung abgeschlossen hat.

 

5.) Wer ist „Berater“ und wer nennt sich „Psychologischer Berater“?

Wer sich für einen Berater hält, der darf sich auch so nennen. Es gibt keinerlei Vorschriften, in denen die Bezeichnung „Berater“ geschützt ist oder gewissen Anforderungen unterliegt. Daher sollten Berater mit Vorsicht genossen werden, wenn ein ernstes, psychisches Problem vorliegt.

Ein psychologischer Berater bietet sich wie der Name ankündigt, als Berater bei beispielsweise sozialen Konflikten, zur Persönlichkeitsentwicklung oder Krisenbewältigung, zu helfenden Gesprächen an. „Berater“ oder der Titel „Psychologischer Berater“ ist im Gegensatz zum Psychiater, Psychotherapeuten oder Psychologen nicht geschützt. Einzig die Bezeichnung „Geprüfter Psychologischer Berater“, wird vom Verband Freier Psychotherapeuten mithilfe einer Diplomprüfung zertifiziert.

 

6.) Woran erkennen Sie einen qualifizierten Psychotherapeuten?

Um die Qualität eines Therapeuten sicher zu stellen, bedarf es weit mehr als einen Titel. Er muss zu den individuellen Bedürfnissen des Patienten passen und sollte deshalb die Psychotherapie nicht nur nach ein und demselben Schema durchführen. Allerdings kann ein Blick auf den Titel des Psychotherapeuten hilfreich sein, um einschätzen zu können, wie viel Erfahrung er bereits mitbringt.

Die Anerkennung eines Therapeuten durch die Berufsverbände sind vielfältig. Hier einige Beispiel, welche Titel der Therapeut nach seiner Praxisbewilligung tragen könnte:

  • Psychotherapeut SPV (Praxisbewilligung durch Schweizerischen Psychotherapeutenverband)
  • Psychotherapeut FSP (Praxisbewilligung durch Föderation der Schweizer Psychologen)
  • Psychotherapeut SBAP (Praxisbewilligung durch Schweizerischen Berufsverband für angewandte Psychologie)
  • Psychotherapeut VPZ (Praxisbewilligung durch Mitgliedschaft im Verband der Psychotherapeuten der Zentralschweiz)
  • FMH für Psychiatrie und Psychotherapie (Psychiater mit Zusatzausbildung)

 

Wie unterscheidet sich die Psychologische Beratung von der Psychotherapie?

Die Psychologische Beratung ist keine Psychotherapie, sondern eine psychologische Massnahme. Diese wird vor allem angeboten, um seelische Belastungen aufzuarbeiten oder um Konflikte und Probleme zu überwinden.

Fakten und Daten, die bei einer psychologischen Beratung gesammelt werden, handeln sich nicht um eine Diagnostik. Die psychologische Beratung ist daher eine zentrale Interventionstechnik im Bereich der nichtheilkundlichen Psychologie. Anders als die psychologische Beratung, ist die Psychotherapie eine Massnahme zur Feststellung, Heilung und Linderung von psychischen Störungen mit einem Krankheitswert.

 

Welchen Unterschied gibt es zwischen der Psychotherapie und der Delegierten Psychotherapie?

Die delegierte Psychotherapie ist auch als ärztliche Psychotherapie bekannt, da sie unter der Aufsicht einer ärztlichen Person ausgeübt wird.

Delegieren können nur Ärzte, die über einen Facharzttitel verfügen oder den Weiterbildungskriterien der Zürcher Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie (ZGPP) erfüllen. Bei einer Delegierten Psychotherapie ist es der Fall, dass nicht der Arzt, sondern ein fachlich qualifizierter (nichtärztlicher) Psychotherapeut, die psychotherapeutische Behandlung vornimmt. Das bedeutet, der Arzt delegiert, behandelt aber nicht.

Die delegierte Psychotherapie ist ein fester Bestandteil der psychotherapeutischen Grundversorgung in der Schweiz. Über eine Delegierte Psychotherapie ist es ärztlichen Psychotherapeuten möglich, ihre Leistungen über die Grundversicherung der Krankenkasse abrechnen zu können. Nicht ärztliche Psychotherapeuten arbeiten im Gegensatz dazu in einem Angestelltenverhältnis.

 

Welche Methoden gibt es in der Psychotherapie?

Die Wurzeln der Psychologie und der Psychotherapie reichen weit in die Vergangenheit zurück. Doch vor allem ab dem 19. Jahrhundert entwickelte sich die Psychologie rasant. Sie wurde nicht nur eine anerkannte Wissenschaft, auch zahlreiche und ganz unterschiedliche Methoden rund um die Psychotherapie, entstanden.

Heute gibt es insgesamt fünf therapeutische Verfahren, welche wissenschaftlich anerkannt sind. Über die Krankenkasse abgerechnet werden kann allerdings nur die Verhaltenstherapie, die Tiefenpsychologische Therapie und die Analytische Therapie.

Zu den fünf grossen therapeutischen Verfahren zählen: die Verhaltenstherapie, die analytische und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Gesprächspsychotherapie und die systemische Therapie.

Welche Psychotherapie für welchen Patienten infrage kommt, muss individuell entschieden werden. Viele Psychotherapeuten arbeiten zudem methodenübergreifend, sodass in ihrer Psychotherapie verschiedene Elemente einzelner Therapieformen vorkommen. Daher ist es günstig, die Unterschiede einzelner Psychotherapien im Blick zu haben.

1.) Verhaltenstherapie

Es gibt zahlreiche Verfahren, die in der Verhaltenstherapie angewendet werden können. Jede Methode in der Verhaltenstherapie hat jedoch ein gemeinsames Merkmal: als zentrales Modell wird die klassische Konditionierung angesehen.

Iwan Pawlow revolutionierte 1918 durch die klassische Konditionierung die Psychotherapie. Der Physiologe fand nämlich heraus, dass angeborene Reaktionen, durch das Lernen verändert werden können.

Vielleicht kennen Sie eines der bekanntesten Experimente zur Verhaltenstherapie von Pawlow. Indem der Wissenschaftler über einen längeren Zeitraum hinweg eine Glocke läutete, bevor er seine Hunde fütterte, bekamen die Tiere irgendwann bereits vor der Fütterung einen Speichelausfluss. Der neutrale Reiz (Glockenleuten) genügte, um eine Reaktion des Hundes auszulösen.

Auf die Psychologie des Menschen bezogen bedeutet diese Erkenntnis, dass Sie in dieser Form der Psychotherapie lernen können, beispielsweise Ängste oder Süchte zu überwinden. Eine klassische therapeutische Technik in der Verhaltenstherapie ist zum Beispiel die Konfrontation mit angstauslösenden Reizen. Der Patient lernt seine Störung zu überwinden und sein Selbstvertrauen wieder zu stärken.

Typisch für die Verhaltenstherapie sind vor allem Problem- und Bedingungsanalysen, die aufgestellt werden, um das psychische Problem zu diagnostizieren. Um sein Verhalten zu verändern, bietet sich die Verhaltenstherapie an. Falls Sie jedoch nur verstehen wollen, warum sie ein psychisches Problem haben, kommen eher andere Methoden der Psychotherapie für Sie in Frage.

 

2.) Tiefenpsychologische Therapie und Analytische Therapie

Sowohl die Tiefenpsychologische Therapie als auch die Analytische Therapie sind Langzeittherapien. Die Tiefenpsychologie wird heutzutage sehr häufig angewandt, vor allem bei neurotischen, psychotischen und psychosomatischen Störungen.

Die Begründer der Tiefenpsychologie sind bekannte Köpfe wie zum Beispiel Siegmund Freud oder Eugen Beuler.

In der Tiefenpsychologie liegt der Fokus auf unbewusste, seelische Vorgänge. In tiefen Schichten, unter der Oberfläche des Bewusstseins, sucht der Therapeut nach Prozessen, die der Seele zu schaffen machen. Der Schwerpunkt liegt bei der Tiefenpsychologischen Therapie auf gegenwärtige Konflikte oder Entwicklungsstörungen. Keine zentrale Rolle spielt hingegen die Aufarbeitung von seelischen Problemen aus der Kindheit. Tiefenpsychologisch fundierte Verfahren können als Einzel- oder Gruppentherapie angewendet werden. In der Regel sitzen sich jedoch nur der Patient und der Therapeut etwa ein bis zwei Mal in der Woche gegenüber.

Der schweizerische Psychiater Carl Gustav Jung ist hingegen das Aushängeschild der Analytischen Therapie. Bei der Analytischen Psychotherapie geht es nicht in erster Linie um eine Besserung einer psychischen Störung, sondern vielmehr um ein tiefgreifendes Verständnis der eigenen Persönlichkeit.

Patienten suchen oftmals nach Veränderungen in ihrem Leben, indem sie zu allererst versuchen, den Ursprung ihrer psychischen Probleme zu finden und sie „bei der Wurzel packen.“  Bei dieser Psychotherapie soll der Patient seinem Therapeuten alles erzählen, was ihm durch den Kopf geht, ganz egal ob es ihm banal erscheint oder nicht. Dadurch kommt der Erkrankte schneller in eine Verfassung, die ein vertieftes Arbeiten an den unbewussten Konflikten möglich macht.

 

3.) Gesprächstherapie

Der amerikanische Psychologe Carl R. Rogers entwickelte in den 50er Jahren die Gesprächstherapie.

Der Fokus in der Gesprächstherapie liegt auf “der Kraft der Beziehung.” Indem der Therapeut seinem Patienten mit positiver Wertschätzung und absolut vorurteilslos gegenübertritt, entwickelt sich zwischen Beiden eine professionelle Beziehung, so lauten wissenschaftliche Erkenntnisse.

Diese Beziehung wird in diesem psychotherapeutischem Verfahren dazu genutzt, um systematischen Beobachtungen und Erkenntnisse zu sammeln. Weil der Patient seinen Therapeuten als erfahrbare Person wahrnimmt, entwickelt er Wachstumskräfte, mit denen er seine psychischen Probleme besser bewältigen kann.

Die Gesprächstherapie findet vor allem in der beratenden und pädagogischen Arbeit grossen Anklang und bietet einen therapeutischen Ansatz für alle psychosozialen Tätigkeitsfelder (zum Beispiel Telefonseelsorger).

 

4.) Systemische Therapie

Die systemische Therapie hat sich in den 50er Jahren aus der Arbeit mit Familien entwickelt und kann im Gegensatz zu anderen Psychotherapien in unregelmässigen Abständen stattfinden.

Der Grundgedanke in der Systemischen Therapie ist die Annahme, dass eine Veränderung von psychischen Problemen nicht nur am Patienten allein liegt, sondern dass es einen familiären Zusammenhang gibt, wo das Kernproblem zu finden ist. Daher ist die Systemische Therapie vor allem an Beziehungen des Erkrankten interessiert, die für den Lösungsprozess von Bedeutung sind.

Oft werden bei dieser Psychotherapie metaphorische Techniken eingesetzt. Beispielsweise können einzelne Familienmitglieder in einem Raum so hingestellt werden, dass familiären Beziehungen besser erkannt werden können. Die Systemische Therapie kann allerdings auch nur mit einer Person stattfinden. 

 

Was zahlt die Grundversorgung?

In der Regel übernimmt die Grundversorgung einen Teil der Kosten für eine Psychotherapie, sofern sie zur Behandlung einer psychischen Krankheit notwendig ist und die Psychotherapie von einem Arzt durchgeführt wird. Wichtig ist es für die Grundversicherung zusätzlich, dass die Wirksamkeit der jeweiligen Therapie wissenschaftlich belegt ist. Derzeit werden nur Kosten für die Tiefenpsychologische und Analytische Therapie sowie für die Verhaltenstherapie übernommen.

Die Kosten für den Patienten setzen sich in der Regel aus der ordentlichen Franchise (300 Franken/Jahr) und dem Selbsterhalt von 10 Prozent des verbleibenden Rechnungsbetrags (Maximum 700 Franken/Jahr),
zusammen. Falls Sie eine Zusatzversicherung abgeschlossen haben, können Sie bei Ihrer Krankenkasse anfragen, ob aus diesem Beitrag die Kosten der Therapie bezahlt werden

Eine passende Psychotherapie zu finden, ist bei all den vielfältigen Möglichkeiten gar nicht so leicht. Doch können Sie sichergehen, dass es bei dieser Vielzahl für jeden eine passende Psychotherapie gibt, die individuelle Vorstellungen und Wünsche beachtet. Hilfreich kann es sein, auf Psychologie-Titel zu achten. Scheuen Sie sich ebenfalls nicht davor, Ihren Therapeuten nach seiner Ausbildung zu fragen und informieren Sie sich bei der Grundversorgung im Vorfeld am besten über anfallende Kosten.

 

 

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